Sein Leben als Bestseller: Ex-US-Präsident Bill Clinton sorgt persönlich für die Vermarktung seiner Biografie - derzeit in Europa, zuvor in den USA.
Der Mann hat Disziplin. Schon eine Stunde steht er da und signiert Buch um Buch, zehn Bücher pro Minute. 1000 muss er laut Vertrag unterschreiben, aber es werden wohl mehr werden, weil sich draußen fast 2000 Menschen drängen. Und außerdem liebt es Bill Clinton, wieder einmal im Mittelpunkt zu stehen.
An diesem Tag ist es eine Filiale der Buchkette "Barnes and Noble" in Washingtons 12th Street, in der der demokratische Politiker für Chaos sorgt. Die Schlange jener, die seine Autobiografie "My Life" signiert haben möchten, reicht um zwei Häuserblocks. Auf den Gehsteigen drängen sich hunderte Menschen, manche haben im Freien übernachtet.
Die Auflagen sind strikt: Ein Buch pro Person; keine Fotoapparate; keine Videokameras; es gibt keine persönlichen Widmungen. Schirme, Rucksäcke, Schlafsäcke werden von Polizisten abgenommen. Viele wollen sich das nicht antun, sondern schauen lieber ins Internet: Auf ebay werden handsignierte Biografien Clintons um 200 Dollar und mehr verkauft. Als Bill Clinton, notorisch verspätet, ankommt, ist er ganz der freundliche Politiker. Den wartenden Journalisten beantwortet er geduldig Fragen.
Nach fast 15 Minuten meint er fast entschuldigend, dass er jetzt "einen Job" zu tun hat. Dann geht das Signieren los. Clintons großer Vorteil: Er ist Linkshänder. Damit kann er gleichzeitig ein Buch signieren und eine Hand schütteln. Und das tut er auch. Jedem einzelnen Besucher - sie werden wie auf einem Laufband vorbei geschoben - schüttelt er die Hand, sagt "Hi, how are you?", unterschreibt und greift zum nächsten Buch.
Dafür wird er gut bezahlt: 10 Mill. Dollar hat der Ex-Präsident für seine Autobiografie kassiert. Es wird noch die eine oder andere Million dazukommen. Denn bisher hat der Verlag fast zwei Millionen Stück verkauft. Das Buch ist auf allen Bestsellerlisten an erster Stelle. Wenn man die Menschen fragt, warum sie das Buch kaufen, heißt es: Weil Clinton ein sympathischer Mensch ist; weil er ein guter Präsident war. Eine ältere Dame meint, man sollte für Clinton die Verfassung ändern, damit er ein drittes Mal für das Präsidentenamt kandidieren kann.