Der Kunsthistoriker Werner Telesko hat ein kundiges Buch über Erlösermythen geschrieben.
Die Sonne hat es Imperatoren schon immer angetan, weit vor Ludwig XIV., der Zentralgestalt des Absolutismus. Werner Telesko beschränkt sich in seinem bei Böhlau erschienenen Werk "Erlösermythen in Kunst und Politik" (240 S., € 35) zwar auf die Spanne vom Mittelalter bis zur Gegenwart, doch bei der Vorstellung des Buches im Kunsthistorischen Museum geriet der gastgebende Generaldirektor Wilfried Seipel ins Schwärmen über die vom Autor vielfältig analysierte Lichtmetaphorik: "Da wird es einem Ägyptologen gleich warm ums Herz", deutete Seipel bei der Begrüßung an, dass solch starke Bildsprache schon lange vor Christi Geburt verwendet wurde.
Telesko widmet sich aber vor allem den großen Usurpatoren der Moderne. Bereits 1998 hat der junge Kunsthistoriker eine Studie zur Kunstpolitik Napoleons veröffentlicht (ebenfalls bei Böhlau). Im neuen Buch lenkt er sein Augenmerk auf die Benutzung heilsgeschichtlicher Denk- und Deutungsmuster für die Propagandazwecke der Politik, auf ein verhängnisvolles Kapitel europäischer Geschichte also. Am auffälligsten ist: Neben dem großen Korsen wird bei dieser vergleichenden Betrachtung Adolf Hitler breit behandelt, der das christliche Vokabular zur eigenen Verherrlichung verwendete.
Bewusst zieht Telesko eine Parallele zwischen den beiden. "Napoleon Bonaparte (1769 - 1821) und Hitler - oft unter den gemeinsamen Vorzeichen einer brutalen und rücksichtslosen Machtpolitik betrachtet - stellen in der Tat - trotz aller offensichtlichen Unterschiede - Anfang und Ende der entfesselten Machtpolitik der ,Moderne' sowie zentrale Figuren der ,Ästhetisierung' von Politik dar: Napoleon war der erste, der mit Prägnanz visuelle und rituelle Legitimationsstrukturen formulierte und formulieren ließ," schreibt der Kunsthistoriker.
Die Pervertierung des christlichen Erbes beschränkt sich jedoch nicht auf bitterböse Diktatoren wie Hitler und Mussolini. So wird etwa in der Kaiser-Hymne Franz als "Sohn der Sonne" bezeichnet. Schwedens König Gustav Adolf wurde zu Lebzeiten als Heiland, als Gesalbter verehrt. Selbst Cromwell ließ sich als Sieger gegen den Antichrist feiern, und auch der US-Präsident George Bush verfiel bisweilen in Kreuzzugs-Propaganda, ließ sich auffällig nahe einem Christusbild porträtieren.
Für seine Analyse dieses Spannungsfeldes von Profan- und Heilsgeschichte verwendet der Autor erlesenste Quellen. Urs von Balthasar, Cassirer, Kantorowicz, Blumenberg, Guardini - auf den Schultern dieser Riesen sitzend, hat Telesko weit blickend diese kurze Studie vorgelegt.