Die Auktionshäuser gehen in die Sommerpause. Ein Rückblick auf Rekorde und Tendenzen.
Kein Bild dieser Welt sei eine solche Summe wert. Picasso-Biograf John Richardson war mit seinem Entsetzen wohl nicht allein, als Picassos "Junge mit Pfeife" als erstes Bild der Auktions-Geschichte die 100-Millionen-Dollar-Grenze überschritt. Bei knapp 86 Millionen  fiel im Mai bei Sotheby's in New York der Hammer. Am Ende der Saison sorgte das Auktionshaus wiederum für Aufregung. Vor einer Woche konnte der erste Vermeer seit über 80 Jahren verkauft werden - um 24,26 Millionen Â. Wer sich die seit Jahrzehnten umstrittene, kleinformatige "Junge Frau am Virginal" geleistet hat, blieb unbekannt. Der glückliche Besitzer musste jedenfalls viel Hohn einstecken: "Wer will schon den schlechtesten Vermeer?", spottete ein Händler bei der Auktion. Doch umgelegt auf den Quadratzentimeter-Preis (48.000 Â) ist es die teuerste Malerei der Welt.
Der typische Ausklang einer Saison der Superlative, die den seit etwa acht Jahren sich immer stärker zuspitzenden Trend bestätigte: Nur exzeptionelle Ware erzielt exzeptionelle Preise. "Wahnsinns-Summen" nennt es Andrea Jungmann, Chefin des Wiener Sotheby's-Büros. "Aber wir werden wohl nie mehr dort sein, wo wir 1989/90 bei den Alten Meistern waren, weder von Qualität, Quantität noch vom Preis. Dafür gibt es heute diese Ausreißer." Die mittlere Qualität bleibt eher liegen.
Aber auch mit österreichischer Kunst sorgte Sotheby's heuer schon für Rekorde. Mit 2,8 Millionen  gelang der Auktions-Höchstpreis für eine Schiele-Zeichnung. Mit 410.000  der beste Zuschlag für einen Hundertwasser, das großformatige "La Tour de Babel perfore le Soleil - un Spiraloid".
"Die heutigen Sammler wissen genau, was sie wollen und sind bereit, viel dafür zu zahlen. Und es ist viel Geld da!", berichtet Jungmann. "Die Amerikaner sind heuer wieder voll zurück, nachdem sie sich im ersten Halbjahr 2003 wegen des Irakkriegs kurz zurückgezogen haben." Die vergangene Saison sei für Sotheby's jedenfalls die erfolgreichste seit Jahren gewesen. Seit den "Schwierigkeiten", sagt Jungmann - und meint damit den Preisabsprachen-Skandal von Christie's und Sotheby's, die das Vertrauen in den Kunstmarkt im Jahr 2000 erschütterten. "Wir machen endlich wieder Gewinne", freut sie sich.
Ähnliche Jubelmeldungen kann Angela Baillou von Christie's Wien nicht vermelden: "Aber wir sind zufrieden, international wie in Österreich." Im Juni erlebte Christie's in London eine außerordentliche Zeitgenossen-Aktion mit einem der besten Gesamt-Ergebnisse in dieser Sparte - 21 Millionen Euro und 90 Prozent verkaufter Lose. "In den letzten fünf Jahren ist das Sammeln von zeitgenössischer Kunst immer trendiger geworden. Das macht Spaß, und die Preise sind noch nicht so hoch", erklärt Baillou die Nachfrage. Für Österreich spiele das aber keine große Rolle. "Es gibt zwar Sammler, aber nicht im höheren Bereich. Auch die Einlieferungen könnten besser sein." Vor allem hoffe sie auf Werke von Martin Kippenberger, der eine Zeit lang in Österreich gelebt hat und international hoch gefragt ist.
Auch die beiden heimischen Mehrsparten-Häuser können die Saison zufrieden abschließen. Die "Wiener Kunstauktionen" melden gar eine Umsatzsteigerung von 84 Prozent - auf 5,9 Millionen Â. Und auch das Dorotheum hat zugelegt: 2003 brachten die Auktionen der ersten Jahreshälfte 33,3 Millionen Euro, heuer waren es 36,9. Bei den Alten Meistern schreckt man auch vor Qualität der zweiten, dritten Kategorie nicht zurück - "solange sie günstig angeboten werden, verkaufen wir diese Bilder wie warme Semmeln", so Dorotheum-Spezialist Peter Wolf. Erstmals plant er heuer sogar einen vierten Altmeister-Termin, am 10. Dezember. "Die Einbringer sind nur alle so verdorben durch diese Rekord-Meldungen", klagt er. Die Jagd wird im Herbst fortgesetzt.