Sammeln? Aber bitte eklektizistisch!

Noch bis Sonntag bietet die TEFAF in Maastricht eine Momentaufnahme des Weltmarktes für Alte Meister und Luxus-Antiquitäten.

Botticelli, Rubens, Hals - und Monströses von Böcklin: Maastrichts Museum auf Zeit

Es würde im nächsten Jahr wohl kaum jemand in Maastricht über die Ma ßen verwundern, wenn der aus aller Welt anreisende Sammler-Tross auf Elefanten Richtung Messezentrum traben würde. Der passende Maharadscha-Sitz aus gelber Seide und Elfenbeinschnitzereien (um 1820) wird bei der heurigen TEFAF um 435.000 Â angeboten. Bei Glatteis würde sich der drei Meter lange, mit Putto und Siegeskranz zwei Meter hohe Rennschlitten (1790) bei Rudigier zum Auftritt empfehlen.

Denn auch "The European Fine Art Fair", der wichtigste Marktplatz für Alte Meister und Luxus-Antiquitäten, folgt immer stärker dem Trend der Zeit, der Event heißt. Erstmals konnte heuer per Fünfstern-Dampfer zur 17. Ausgabe der Messe angereist werden. Trockenen Fußes schreitet der Gast dann einen neuen Glasgang entlang direkt in die Halle, vorbei an Wänden aus fließendem Wasser, durch unter einem von der Decke hängenden weißen Tulpen-Garten. Angelangt im Paradies.

Geschätzte 80 Prozent des weltweiten Altmeister-Angebots sollen sich in den Kojen der 55 Gemälde-Händler finden. Insgesamt 200 Teilnehmer aus 14 Ländern verbreitern das Angebot auf Möbel, Schmuck, Asiatika und immer mehr auch moderne wie zeitgenössische Kunst.

Letztere ist die Schwachstelle der TEFAF. Während bei der Moderne die Qualität mit Klassikern von Picasso bis Warhol gehalten wird, driftet aktuellste Kunst hier meist ins rein Dekorative ab. Da erfreut man sich lieber an den 40 Gouachen und Zeichnungen, die Schiele-Fachmann Richard Nagy aus London mitgebracht hat. Um fragwürdige Provenienzen, Diebesgut oder Fälschungen dürfte sich der TEFAF-Kunde keine Sorgen machen müssen: Zwei Tage lang kontrolliert ein Spezialisten-Team (darunter Österreichische-Galerie-Chef Gerbert Frodl) die Ware.

Wehmütige Gefühle beschleichen den Österreicher bei einer "Madonna mit Kind" von Giovanni Bellini, die Dickinson um 9,6 Mill. Â anbietet. Die Tafel befand sich einst in Wien, gehörte Carl Moll, dann Ludwig Wittgenstein und scheint seit 1938 in einer Amsterdamer Sammlung auf. Mit einer weiteren Madonna von Botticelli wertet der Londoner Händler das italienische Segment der TEFAF auf, die traditionell von flämischer und niederländischer Schule dominiert wird. Gleich zu Beginn verkaufte Lokalmatador Johnny van Haeften ein Männerporträt von Frans Hals. Ansonsten zählen Stillleben zum Beliebtesten, weit gefolgt von religiösen Motiven. Museums-Stücke an jeder Ecke; hier wogt ein monumental-üppiges Festgelage von Jacob Jordaens um 4,5 Millionen Euro lüstern von der Wand, da eine Ölszkizze von Rubens um 1,8 Mill. Â.

Nach einem eher flauen Eröffnungs-Wochenende herrscht zur Halbzeit Zufriedenheit. Auch unter den zwei österreichischen Teilnehmern: Die Wiener Altmeister-Galerie Sankt Lucas bietet u. a. Waldmüller und Romako.

Die Salzburger "Salis & Vertes" fallen im Moderne-Bereich mit einer Monet-Landschaft (2 Mill. Â) auf und konnten das Seurat-Bild "Dans la Rue" an ein Museum verkaufen. Ob auch die monströse Anrichte mit integrierten Böcklin-Gemälden bei "Daxer & Marschall" (280.000 Â) einen Liebhaber mit großem Speisezimmer finden wird? Eine kuriose Mischung.

Eklektizistisches Luxus-Sampling ist jedenfalls immer stärker aufkeimender Trend bei Antiquitätenmessen: So haben sich heuer erstmals bei der TEFAF fünf Händler verschiedener Sparten zum gemeinsamen Katalog entschlossen: Design-Spezialist Philippe Denys, der auch einige Wiener-Werkstätte -Objekte führt, will seine Kunden so auch mit ozeanischer, zeitgenössischer und Foto-Kunst bekannt machen. Maastricht als Mega-Ikea für Superreiche.


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