Als Heiliger Mitteleuropas inspirierte Johannes von Nepomuk 36 Künstler aus zehn Ländern. Eine Ausstellung an zwei Orten bringt die großen Leinwände nach Wien.
Kunst mit Motto haftet immer auch der Hautgout des gekauften Künst lers an. Ein Auftragswerk, igitt! Vor allem ist diese Spezies heute so selten anzutreffen - kaum noch werden repräsentative Gelüste mit bildender Kunst ausreichend befriedigt und die Kirche, ja die scheint vor ihrer wahrlich drückenden Mäzenaten-Tradition lieber bequem in Deckung zu gehen. Besonders in Wien scheint zeitgenössische Kunst seit Monsignore Otto Mauer nicht einmal ignoriert zu werden. Kinder können Fastentücher schließlich auch gut malen. Wozu also junge Künstlergenerationen nachhaltig fördern?
Diese Einstellung ärgert auch Aldemar Schiffkorn. Maßlos sogar. Denn der Leiter des Büros für kulturelle Auslandsbeziehungen des Landes Oberösterreich agiert genau in dieser Lücke. Mit seinem Budget finanziert er seit 1999 ein permanentes internationales Künstler-Symposium in Tschechien, im ehemaligen Zisterzienserkloster Plasy in Westböhmen, und ebenso die durch Europa tourende Ausstellung, die ab heute in Wien im Palais Porcia und im Erz- und Diözesanmuseum zu sehen ist.
Immerhin hat der rührige Beamte diese Initiative auch ausgelöst: Bei einer Rede vor Studenten in Prag, kurz nach Beseitigung des Eisernen Vorhangs, wollte er den "Kulturraum Mitteleuropa" beschwören. Alle bohrten ungläubig nach, wollten Beispiele hören. "Es war eine rhetorische Notsituation", erklärt Schiffkorn, wie der tschechische Nationalheilige ins Spiel kam: "Da, wo Johannes Nepomuk verehrt wird, ist Mitteleuropa." Das stimmt zwar nicht unbedingt, aber die tschechische Fotokünstlerin Anna Kocourkov¡ nahm dieses identitätsstiftende Zitat neun Jahre später zum Anlass, in Plasy Künstler-Workshops zu organisieren.
Hier, relativ abgeschieden, im Freien wie im ehemaligen Winterrefektorium arbeiteten von 1999 bis heute abwechselnd über 36 Künstler aus 10 Ländern. Aus zwei großen Leinwand-Formaten konnten sie wählen - zwei mal zwei oder zwei mal drei Meter. Ihre Inspiration sollten sie im Heiligen Nepomuk finden, in seiner Vita, seinen Attributen: dem Palmzweig des Märtyrers, dem Kranz aus fünf Sternen, dem Finger vor dem Mund. Denn auch unter Folter wollte der Jurist und Generalvikar des Erzbischofs von Prag die Beichtbekenntnisse der jungen Königin Johanna ihrem Ehemann Kaiser Wenzel IV. nicht verraten. 1393 wurde Johann von Nepomuk in der Moldau ertränkt. Welches Geheimnis nahm er mit? Fiel er einer Intrige zum Opfer? Anders als sein Zeitgenosse Johannes Hus schwieg er. Beiden wurde ihr Charakter zum Verhängnis.
Viele der nach Plasy eingeladenen Künstler wussten wenig über die Geschichte des Brückenheiligen. Im Kommunismus wurde er totgeschwiegen. Insofern ist besonders die Auseinandersetzung der jüngeren tschechischen Maler mit Johannes von Nepomuk interessant. Fast alle kommen ohne Pathos und Kitsch aus. Herausragend in seiner Eigenständigkeit ist Jiri Davids "Von Johannes über Johannes zu Johannes". In der Mitte scheint sich der Heilige im Wirbel seiner Soutane fast aufzulösen, rundherum, wie Comics, die Attribute, übersetzt in Computersprache. An Comics erinnern auch die Arbeiten von Petr Kvicala und Frantisek Matousek. Eine gute Methode, um die Bedeutungslast des Themas abzuschütteln. Matousek (Abb.) führt den Heiligen in die Pop-Welt, gibt ihm die Identität von Johnny Depp, stellt ihm Top-Model Kate Moss an die Seite, ergänzt mit dem Emblem der Rolling Stones - und überhaupt ist alles ein großes Fragezeichen.
(Bis 24. 3. Palais Porcia: Mo.-Fr. 10-15h. Diözesanmuseum: Di.-Sa. 10-17h.)