Ausstellungen Olympia: Stars, Mütter und Keramik-Spiegel

Ein wenig Kunst schadet doch nie - auch nicht Olympia. Eine mehr oder minder anregende Notgemeinschaft in Athen - von Koons bis Warlamis.

W
enn Kunst und Sport sich zu nahe kommen, hat das nicht sel ten Aquarellausstellungen in Golfclubs und Seidenmalerei in Umziehkabinen zur Folge. Die beiden Disziplinen haben sich gegenseitig in der Regel nicht viel zu sagen, halten Respektabstand - wer teilt auch schon gerne die Aufmerksamkeit? Anders bei Olympia. Bei diesem Massen-Event will auch die Kunst mitnaschen beziehungsweise brauchen Schweiß und Kampf ihr Rahmenprogramm zur stilechten Freizeit-Inszenierung. Also wurde in Atlanta 1996 erstmals die "Artiade" einberufen. In Athen wird sie heuer wiederbelebt.

4500 Künstler aus 120 Nationen haben sich beworben, eine Jury wählte 172 Vertreter aus 78 Ländern aus, die bis 25. September an mehreren Orten der Stadt ausstellen dürfen. Die meisten dieser Künstler allerdings sind ähnlich bekannt wie die Athleten im Softball oder Damenringen. Österreich ist mit einer Skulptur und einem Video von Christof Seiser aus Mönichkirchen und Keramik-Spiegel-Objekten des Tirolers Werner Spiegelwerner vertreten.

Die großen Namen finden sich jedenfalls anderswo. "Monument to Now" (bis 31. Dezember) heißt die ebenfalls im offiziellen Kulturprogramm der Olympiade laufende Gruppenschau, die vor internationalen Stars nur so strotzt. Die sarkastisch lebensechten Figuren von Maurizio Cattelan sind ebenfalls mit dabei wie Arbeiten von Pipilotti Rist, Olafur Eliasson, Cindy Sherman, Gilbert & George, Jeff Koons und Murakami. Ja, Athen kann sich glücklich schätzen. Es beherbergt die Kollektion eines der bedeutendsten Sammler zeitgenössischer Kunst, Dakis Joannou. Vor zwanzig Jahren bereits gründete der in Zypern geborene und in Athen aufgewachsene Architekt und Großinvestor seine gemeinnützige Stiftung "Deste" (Sehen), die regelmäßig Ausstellungen und Symposien in Athen veranstaltet.

Joannous Olympia-Ausstellung will jetzt mit Werken der einflussreichsten Künstler der vergangenen zehn Jahre die Tendenzen der aktuellen Kunst vor Augen führen: das Revival der Gegenständlichkeit und den Einfluss der Massenmedien. Eine ganze Armada von anerkannten Kuratoren wurde dafür aufgeboten, darunter Alison Gingeras vom Centre Pompidou und Nancy Spector aus dem Guggenheim Museum New York.

Mitten in all diesem Rummel bestreitet der Wahl-Österreicher Efthymios Warlamis, der ein Design-Zentrum im niederösterreichischen Schrems leitet, eine Einzelausstellung im "Zappeion Museum" (bis 29. 10.). Drei Jahre lang hat der 1942 in Makedonien geborene Künstler an dem Zyklus "Mother Olympiad - The Power of Love" gearbeitet. Die 100 großformatigen Bilder widmen sich in einem plakativ gegenständlichen Stil den Müttern der Athleten von der Antike bis ins Heute. Denn, so Warlamis: "Hinter jedem Athleten pocht immer das Herz einer Mutter, voller Liebe und Solidarität." Eine Delegation soll bereits Interesse gezeigt haben, die Schau zu den nächsten olympischen Spielen nach Peking zu bringen. Von wegen Respektabstand zwischen Kunst und Sport.

INTERNET 

www.artiade.com

www.monument-to-now.gr

www.warlamis.at

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