Kunstmesse Salzburg: Für Machos und Interior-Designer

Modisch oder konservativ? In der Salzburger Residenz gastiert noch bis Montag die 29. Kunst- und Antiquitätenmesse.

N
och ist es nicht soweit. Noch wirft keine glitzernde Discokugel ihren psychedelischen Sternenglanz auf Jugendstilkommoden und Schiele-Akte, zwingt unter ihrer rotierenden Ägide gediegene Antiquitäten und Kitsch-Design zu friedlicher Koexistenz. Obwohl sich die Salzburger Kunst- und Antiquitätenmesse verjüngen möchte - Trendsetter, wie der gerade zu Ende gegangene Pariser "Pavillon des Antiquaires" ist die parallel zu den Osterfestspielen angesetzte Traditions-Veranstaltung sicher nicht. In dem Zelt im "Jardin des Tuileries" stellten zwar ebenso hauptsächlich heimische Händler aus, die zeitgeistige Mischung und Inszenierung aber war erstaunlich gewagt und scheint in ihrem Credo - höchste Originalität vor mittlerer Qualität - zukunftsweisend.

Einen ähnlichen "eklektizistischen Moment" möchte in Zukunft auch die Messe in der Residenz bedienen, machte der Salzburger Händler Thomas Salis neugierig auf die 30. Messe 2005. Auch eine erfrischend andere Werbelinie - eine Goldkordel schlingt sich zum "R" für Residenz - verspricht Modernität und soll ein jüngeres Publikum (zwischen 30 und 50) locken. Vielleicht stürmen in ein paar Jahren ja dann auch in Salzburg die Interior-Designer die Kojen.

Diese Gattung könnte in Salzburg aber durchaus auch heuer schon fündig werden. Etwa am Stand von Erstteilnehmer Simon Weber Unger mit seinem "Wissenschaftlichen Kabinett", wo unter anderen Skurrilitäten wie Prozessionspuppen aus dem 18. Jh. äußerst dekorative Blumen-Modelle aus Papiermach©, Holz und Gips angeboten werden (1800-2400 Euro). Aber mit den Drucken von Phantastischen Realisten, die auf der Messe an so mancher Ecke die Augenwinkel irritieren, wird wohl kein Loft-Bewohner exklusive Laune behalten.

Doch am heurigen Angebot der Salzburger Messe ist sonst nicht viel zu mäkeln. Es wurde durch acht Neuaussteller sicher breiter - neben dem skurrilen Wunderkammer-Konzept des jungen Weber-Unger ergänzen auch Ikonen (Brenske Galerie, München) und Meister-Violinen (Machold, Wien) das gewohnte Gemälde-, Schmuck-, Teppiche- und Möbel-Sortiment. Wobei die Möbel-Fraktion sich in diesem Jahr über besonderes Interesse freuen kann. Wolfgang Bauer (Bel Etage) konnte gleich zu Beginn zehn Hoffmann-Stühle verkaufen, Patrick Kovacs brachte sogar sein massives, ziemlich machistisches Büro-Ensemble eines Zagreber Loos-Schülers, mit breitem Schreibtisch und Kästen aus Palisanderholz, an den (Münchner) Mann. Um 28.000 Euro war es angeboten. "Sehr, sehr gute" Verkäufe meldete auch der Kunsthandel Runge, der ebenfalls Möbel, aber auch einen Gauermann nicht mehr zurück ins oberösterreichische Eferding transportieren muss. Bei den Gemälden und Zeichnungen sind österreichische Maler Platzhirsche - Moll, Kokoschka, Faistauer, Weiler. Besonders reizvoll: Das Porträt, das Herbert Boeckl 1930 von seinen vier Töchtern schuf. "Wienerroither & Kohlbacher" bieten es um 300.000 Euro an. Ebenfalls noch nicht verkauft werden konnte die erste Version der oft wiederholten "Mahlzeit" von Egger-Lienz bei "D & S Antiques". Nachdem es bis in die 60er Jahre als verschollen galt und dann in einer Auktion von einem Privatsammler ersteigert wurde, ist es jetzt um 920.000 Euro wieder am Markt.

Bis 12. April. Tägl. 10-19 Uhr.

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