Kunstmarkt: "Ich bin kein Kunstverkäufer!"

Das Dorotheum versteigert am 30. September einen Teil der Sammlung des Pianisten Jörg Demus.

Unwirsch bellt Jörg Demus ins Telefon: "Ich bin kein Kunstverkäufer! Ich bin Musiker und Sammler!" Trotzdem muss der vor allem als Pianist bekannte Sohn des Kunsthistorikers Otto Demus (1902-1990), zwischen 1946 und 1964 Präsident des Bundesdenkmalamts, einen Teil seiner liebevoll zusammengetragenen Kollektion historischer Instrumente und Antiquitäten verkaufen. Am 30. September ruft das Dorotheum hundert Lose aus dem Besitz des 1928 geborenen St. Pöltners aus, der schon mit 14 Jahren erste Konzerte im Wiener Musikverein gab.

Seit vier Jahrzehnten gilt Demus' Leidenschaft auch einem möglichst ästhetischen und authentischen Umfeld für sein Musizieren. Das opulente Ergebnis ist in seinem Haus im oberösterreichischen Teil des Salzkammerguts - nach Voranmeldung - zu besichtigen: "Museo Christofori" nennt es Demus nach dem Erfinder des Klaviers. "Bei mir ist jedes Instrument - es sind 60 Klaviere u. a. aus der Mozart- und Bach-Zeit - bespielbar und original restauriert", erzählt der Pianist. "Die Räume sollen die Einrichtung der Zeit widerspiegeln, bis auf die Türen." Das Mobiliar, vom venezianischen Rokoko-Sessel bis zur geschnitzten Holzdecke, fand er in alten Schlössern und bei Händlern.

So hat Demus auch "ein gutes Dutzend" alter Kachelöfen "gerettet" und neu setzen lassen. Da sie einer Beheizung durch Holz nicht mehr standgehalten hätten, werden sie jetzt elektrisch beheizt. Drei davon sind bei der Auktion zu erwerben, etwa ein bunt glasierter Kachelofen aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit allegorischen Darstellungen des Tanzes und des Geschmackes (60.000-80.000 €). Prächtig auch ein Glasluster aus Murano, frühes 20. Jahrhundert (30.000-35.000 €), und ein monumentaler Sakristeischrank aus dem 17. Jahrhundert.

Dorotheum-Möbelspezialist Ulrich Prinz bezeichnet die Qualität der Auktion zwar als hervorragend, weist aber auch auf die zurzeit "schwierige Marktkonstellation" in diesem Sektor hin. Am problematischsten wohl für den Einbringer, da "Demus viele Objekte international hochpreisig eingekauft hat", so Prinz. "Der Markt ist momentan sehr desorientiert, Käuferschichten und Geschmack ändern sich. Zurzeit gefragt sind eher Minimalismus, Jugendstil, Funktionalimus." Mehr denn je werde individuell gekauft, und nicht mehr epochengebunden, bemerkt der Experte: "Die Generation, die sich noch so eingedeckt hat, tritt ab."

Entgegen Gerüchten, dass Demus seine gesamte Instrumenten-Sammlung verkaufen wolle, werden in der Auktion nur vier Klaviere angeboten: Ein "Dulcken"-Hammerklavier etwa - "Auf einem solchen hat Mozart in München ,Idomeneo' intoniert", weiß Demus. Und ein reich verzierter Konzertflügel der Pariser Firma "Erard" aus dem späten 16. Jahrhundert. "Die beiden anderen Klaviere sind einmalige ästhetische Arbeiten", so Demus, "als Instrument aber nicht besonders bedeutend."

Die Versteigerung sei für ihn zwar schmerzhaft, "aber ermöglicht mir das Weiterarbeiten als Musiker." Der 75-jährige Pianist möchte seine "Geschichte des Klaviers" zu Ende bringen, die sein Repertoire, gespielt auf 100 verschiedenen Klavieren, auf 72 CDs vereinen soll. Als Komponist habe er gerade eine Oper nach Hofmannsthals "Der Thor und der Tod" vollendet und bereits mehreren Opernhäusern angeboten, nur: "Ich falle damit in eine Lücke, weil ich schreibe tonal, also so, dass es schön klingt."

Die Schönheit steht dem Musiker bei seiner Sammlung nicht im Wege: "66 Instrumente der Sammlung Demus, vorwiegend Klaviere, werden ab Mitte 2007 in der Dauerausstellung des Museums Carolino Augusteum in der Residenz zu sehen sein", bestätigt Museums-Sprecherin Vaelske. Dabei handle es sich, so Vaelske, um eine kostenlose Leihgabe auf 30 Jahre an das Land Salzburg. Wer hätte Demus auch je als "Kunstverkäufer" bezeichnet?

Auktion: 30. September, 17 Uhr. Besichtigung ab 18. September; Sonderführung: 22. September, 18 Uhr.

Webtipp:

www.dorotheum.at

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