KHM: Wanted: Untermieter für Palais

Das KHM verabschiedet sich vom Ausstellungsbetrieb im Palais Harrach.

Die Trauer über das Aus stellungs-Ende im Palais Harrach scheine sich ja in Grenzen zu halten, seufzt der KHM-Generaldirektor leicht angeschlagen ins Telefon. Am Samstag wird Wilfried Seipel bei der Finissage von Maria Mosers Malerei-Ausstellung noch einmal das Wort erheben in den barocken Prunkräumen der Bel Etage auf der Freyung. Über 50 Mal hat er hier in den vergangenen neun Jahren begrüßt, eröffnet, geehrt. Insgesamt 1,5 Millionen Besucher wurden durch die zwei Stockwerke geschleust. Man erinnert sich: Halb Wien pilgerte 1996 zur ersten großen Rodin-Retrospektive Österreichs in den Martinelli-Prunkbau. Heimische Künstler wie Zechyr und Ringel fanden im Harrach mit umfassenden Ausstellungen Aufnahme, genau wie die österreichischen Fotografie-Stars Erich Lessing, Harry Weber, Gerhard Trumler, Franz Hubmann.

Erstmals zeigte Seipel hier auch umfassend das Werk Fritz Wotrubas - im Eröffnungsjahr 1995, als das Kunsthistorische 2000 aufwendig general sanierte Quadratmeter des Innenstadt-Palais von der CA-Immobilien-Tochter Örag als Dependance anmietete. Damals noch zusätzlich zum Künstlerhaus, in dem kulturhistorische Großausstellungen stattfanden.

Heute muss das Kunsthistorische auf beide zusätzlichen Flächen verzichten. Das Harrach ist nicht mehr leistbar, das Künstlerhaus - obwohl leer stehend - verlange, so Seipel, zu hohe Mieten. Die Miete für das Innenstadt-Palais, 200.000 Euro pro Jahr, muss Seipel allerdings trotz Einstellung des Programmes heuer zahlen. Es gelang bisher nicht, aus dem Vertrag mit dem Besitzer, der Wlaschek-Stiftung, auszusteigen. "Wir brauchten nur einen Sponsor für 450.000 Euro - dann könnten wir weitermachen", hofft Seipel.

Bis Ende 2004 scheint sich das KHM also um eine kostendeckende Nutzung kümmern zu müssen. Seipel: "Theoretisch kann sich jeder einmieten." Versucht habe er auch die einst hier untergebrachte Harrachsche Gemäldesammlung wieder zu holen - "doch die Gräfin wollte Schloss Rohrau als Sitz der Sammlung nicht aufgeben." Vermietungen sorgten auch in den vergangenen Jahren immer wieder für finanziellen Aufschwung - und teilweise für Irritationen beim Publikum, die den Standort mit dem KHM assoziierten. Davon profitierte meist der Wiener Galerist Ernst Hilger, der sich hier gerne mit seinen Künstlern wie Hrdlicka, aufstrebendem Nachwuchs - aber auch Gottfried Kumpf einmietete.

Wo werden also in Zukunft Sonderausstellungen des KHM stattfinden? Dem Stammhaus ermangelt es an den heute scheinbar so überlebenswichtigen flexiblen Sälen für spektakuläre Großausstellungen. Stur kämpfe er weiter für sein Ausbau-Projekt unter dem Maria-Theresien-Platz, bekräftigt Seipel. Zurzeit konzentriere man sich aber auf den Umbau des Völkerkundemuseums. Ab 1. April wird geschlossen, Ende 2006 ist die Wiedereröffnung geplant.

Freier Eintritt am letzten Öffnungstag, Samstag, 17. 1., 10-18h. Finissage: 16-18h.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.