Rekorde für Hörmann, Friedländer und Wieselthier im Dorotheum, mattes Saisonende für "im Kinsky".
Müde hingen sie in den Stühlen, die Sammler, Händler und Kiebitze, am ersten Nachmittag der 52. Kunstauktion der Wiener Kunstauktionen "im Kinsky". Gerade mal ein gutes Drittel der 313 Lose der ersten Auktion "Kunst unter 5000 Euro" konnte verkauft werden, meist um nicht viel mehr als den Ausrufungspreis. Auch bei der Gemälde-Auktion am Abend ging es nicht viel munterer zu: Weit mehr als die Hälfte der 187 Lose blieb liegen, sogar Blätter von Klimt und Schiele. Eine etwas düstere Atelieransicht von Carl Moll wurde sogar nach unten gesteigert - zuerst ausgerufen um 35.000 € ging ein leicht verzweifelter Auktionator Otto Hans Ressler schließlich sogar auf 28.000 € hinunter - selbst das schien noch zu viel. Den Auktions-Höchstpreis erreichte einmal mehr Max Weiler mit "Allmächtiges" aus dem Zyklus "Als alle Dinge . . ." Der Hammer allerdings fiel schon bei 100.000 € Ausrufungspreis. Spannung kam allein bei Albin Egger-Lienz' Aquarell "Der Schnitter" auf. Ausgerufen um 55.000 € ging es schließlich um 90.000 € (Kaufpreis 109.800 €) an den Wiener Handel.
Eine Erklärung für diesen matten ersten Teil des "im Kinsky"-Saisonendes war zum einen wohl das wenig attraktive Angebot, zum anderen aber auch der Erfolg der Konkurrenz vor einer Woche: Das Dorotheum konnte mit Kunst des 19. Jahrhunderts ein überraschend sensationelles Ergebnis einfahren und gleich mehrere Rekorde aufstellen. Etwa für Theodor von Hörmann (1840-1895), dessen "Ledertal bei Znaim" - eine Schlittenpartie mit Kindern - sich von 200.000 auf 336.000 € steigerte und jetzt in eine österreichische Sammlung weiterwandert. Das beliebte Kinder-Motiv führte auch Friedrich Friedländers "Der Maler im Dorfe" zum Bestpreis: Die handliche Holztafel, ausgerufen um 50.000 €, erreichte 94.400 €.
Freuen können sich auch alle, die bei Jugendstil auf Frauen-Power gesetzt haben: Vally Wieselthiers nur knapp 34 cm hohe Keramik-"Varietétänzerin", entworfen 1928, ausgeführt von der Wiener Werkstätte, kletterte von geschätzten 4000-6000 € auf unglaubliche 57.000 €. Vor sieben Jahren konnte das Dorotheum noch die 27.000 € für eine ein Meter hohe Keramik-Dame Wieselthiers als Erfolg feiern.