Das Wiener Museum moderner Kunst zeigt auf zwei Ebenen seine Sammlung Klassischer Moderne.
Es ist eigentlich eine traurige Geschichte. Immerhin, sie hat wenigstens eine Art von Happy End. Viel zu spät, erst Anfang der 60er Jahre, wurde in Österreich begonnen, die Kunst des 20. Jahrhunderts zu sammeln. Nicht nur die heimische, auch die internationale Moderne konnte sich der erste Direktor des "Museums des 20. Jahrhunderts", Werner Hofmann, schlicht nicht mehr leisten. "Die Meisterwerke sind rar und vielfach unbezahlbar geworden", beklagte er im Vorwort des Katalogs zur Eröffnungsausstellung im "20er Haus", 1962. Trotzdem machen seine zwischen 1960 und 1969 getätigten Ankäufe heute den Löwenanteil der Bestände an klassischer Moderne des heutigen MUMOK aus. Ein vielleicht etwas unaufregender, aber wenigstens ein stichwortartiger Überblick über die Entwicklungen der Kunst in der ersten Jahrhunderthälfte, von Expressionismus über Kubismus und Futurismus, Neue Sachlichkeit zu Dada, Surrealismus.
Weltberühmt waren diese Bestände nie, die im Palais Liechtenstein jahrelang in einigen Zimmern im obersten Geschoß schmorten, für all jene zu besichtigen, die die versteckte Treppe aus den Prunkräumen hinauf in die Vergangenheit fanden. Als das neue Haus im Museumsquartier eröffnet wurde, platzierte L³r¡nd Hegyi einige Highlights - wie sein Lieblingsbild, Magrittes "Die Stimme des Blutes", im Kunstlicht des Eingangsgeschosses. Hier liegen jetzt elegant Pop Art, Fluxus und Nouveau R©alisme begraben. Die klassische Moderne dagegen ist nicht nur räumlich emporgestiegen, sondern auch ideell. Erstmals in ihrer Wiener Geschichte behaupten Picasso, Klee und Konsorten einen prominenten Platz im MUMOK-Konstrukt. Seit vergangenem Wochenende thronen sie ganz oben, im Kuppelsaal, dem einzigen Raum des Museums mit Tageslicht. Ihr Kontrapunkt ist der Wiener Aktionismus im Keller. Eine krasse Klammer, nicht ohne Reiz für den Besucher.
Eineinhalb Jahre soll die Moderne hier in der Kuppelhalle und im darunter liegenden Zwischengeschoß Ruhe finden. Eine traditionelle aber luftige Präsentation ist gelungen. Man trifft Bekannte aus der gerade zu Ende gegangenen Porträt-Ausstellung wie Bacons "Man in Blue IV" und Hodlers "Bildnis einer jungen Frau" - das mit Datum 1890 wieder das älteste Exponat stellt - und lernt Neues kennen, wie Weilers noch nie in Wien gezeigte "Herbstlandschaft", die 40 Jahre lang im österreichischen Kulturinstitut in London hing, bevor sie aus der Artothek des Bundes in die MUMOK-Sammlung wechselte.
Gehängt wurde etwas schwer durchschaubar, teils nach Kunstrichtungen, teils nach Ländern, teils chronologisch. Gleich stößt man auf eines der wichtigsten Werke der Sammlung, Andr© Derains "Kauernder" aus 1907. Eine Wand zeigt Kubisten wie Gris, Leger, eine die Konstruktivisten mit Mondrian, Kandinsky. Hier hängen Kirchner und Rotluff, da die die österreichischen Expressionisten - darunter Kokoschkas Skizze der Dichterin Bertha Eckstein-Diener, dessen Porträt er unvollendet ließ, weil ihm "sein Modell unheimlich war". Bis zu den Anfängen von Oberhuber, Rainer und Lassnig in den 50er Jahren reicht die Spanne - und still hofft man, dass hier wenigstens im Depot die Lücken bis ins Heute geschlossen sind.
Di.-So. 10-18 Uhr, Do. 10-21 Uhr.