Auktion: Wer will mich?

Ein junger Mitarbeiter der "Presse" klapperte mit einem Stillleben die Wiener Auktionshäuser ab. Ein Erlebnisbericht.

Nachdem 2002 in London das in einem dunklen oberösterreichischen Klostergang gefundene "Massaker der Unschuldigen" als Rubens enttarnt und von Sotheby's als eines der teuersten Bilder der Welt versteigert worden war, begann halb Österreich die Dachböden zu durchstöbern. Die Auktionshäuser rauften sich die Haare. Was aber tun, wohin sich wenden, wenn man das rätselhafte Erbstück dem Hammer anvertrauen möchte? Vor allem, wenn es sich dabei nicht um einen klingenden Namen handelt?

Ein Mitarbeiter der "Presse" machte sich mit einem Blumenstilleben auf den Weg durch die Büros: 50 mal 80 cm groß, Signatur rechts unten: Stoitzner. Im Internet finden sich neun Maler dieses Namens, zwei erzielen ansehnliche Preise am Markt: Josef und Constantin. Also - Hoffnung? Erste Lektion im Umgang mit Auktionshäusern: Das Bild nicht schleppen, sondern fotografieren. Zweitens: Die Öffnungszeiten erfordern einen ausgetüftelten Zeitplan.

Unerschrocken wird mit den Repräsentanzen der beiden internationalen Riesen begonnen: Nach kurzer Wartezeit erscheint bei Sotheby's, Herrengasse 5/1, eine junge Dame. Die Fotos werden begutachtet - höflich wird auf Dorotheum und Wiener Kunstauktionen verwiesen. Das Bild sei "unter 5000 €" wert, "es gibt ja mehrere Stoitzner". Bei Christie's, Bankgasse 1, macht man sich die Mühe und schickt die Fotos zur Expertise nach London. Drei Wochen später die immerhin freundliche Absage: Das Bild wird auf bis zu 500 Pfund geschätzt.

Das sorgt für Verwirrung: Denn inzwischen hat man den Wiener Auktionator Hassfurther, Hohenstaufengasse 7, aufgesucht: Er unterbricht gleich ein anderes Kundengespräch, um die Fotos zu inspizieren. "Das ist ein Konstantin Stoitzner" - aber nichts für sein Programm: "zu blumig und ausladend". Es folgt der obligate Verweis auf das Dorotheum. Vor einer Schätzung ziert er sich, dann aber: "Um die 40.000 Schilling (!) ist es schon wert." Überrascht geht es weiter zu den Wiener Kunstauktionen, Freyung 4: Auch hier werden die Fotos sofort betrachtet. Eine umfangreiche Computer-Befragung ergibt entweder Egon Stoitzner oder einen F. Stoitzner. Je nachdem variiert die Schätzung zwischen 350 und 800 Euro. Aber leider - kein Bedarf.

Zum vermeintlichen Abschluss geht es zum Dorotheum, Tür 3. Nach Übergabe der Fotos verschwindet die Dame in einem Verbau. Nach 30 Sekunden schießt sie wieder hervor: "Na des is nix". Drückt die Fotos dem fassungslosen Besitzer in die Hände, der erstmals ärgerlich abziehen muss. Etwas verzweifelt landet er bei der Dependance des Münchner Auktionshauses Neumeister, Lobkowitzplatz 1: Und endlich, das Bild kann vorbeigebracht werden.

Resümee: Die Konsultationen verliefen rasch und freundlich - bis auf das Dorotheum. Nur, um welchen Stoitzner es sich handelt und wie viel er wert ist - nix oder 3000 Euro - das wird man wohl erst aus München erfahren.

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