Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Kunstraum

HILGER CONTEMPORARY: MEERBLICK

Vielleicht gibt es doch einen Ort, an dem alle Menschen gleich sind. Im Werk von Massimo Vitali ist es der dicht bevölkerte Strand, an dem individuelle Merkmale verschwinden. Seit über 15 Jahren klettert der italienische Fotograf auf hohe Leitern, um von oben Badende an Urlaubszielen wie dem belgischen Knokke oder dem brasilianischen Cabo Frio festzuhalten. Dabei folgt der 1944 geborene Künstler einem ausgeprägten Interesse für Komposition. In "Vecchiano" (14.400 Euro) etwa strebt der Blick über den mit Körpern gesprenkelten Sand hinweg zum Horizont, in "Miami Sagamore" (je 30.000 €) taucht er mitten ins Geschehen einer Poolparty ein. Touristische Menschenmengen fotografiert Vitali auch in Florenz. Bei der vielschichtigsten Arbeit der Schau, "Firenze via via" (14.400 €), rückt er noch raffiniert die Ferse von Michelangelos David ins Bild. Letztlich spielt aber doch das strahlende Türkis des Wassers die Hauptrolle in den recht geschmäcklerischen Bildern und die riesige Ausarbeitung der Fotos liefert weniger Informationswert, als sie beeindrucken will. (Bis 25. 9., Dorotheergasse 5, Wien 1)

FOTOGALERIE WIEN: INNENSICHT

Als zweiten Teil ihrer Ausstellungsreihe "Stilleben" zeigt die Fotogalerie Wien eine abwechslungsreiche Gruppenschau mit dem Titel "Interieur". Zwar fällt die Darstellung von Innenräumen traditionell nicht in die Kategorie Stillleben, aber bei den ausgewählten Arbeiten fließen solche kunsthistorische Gattungen ineinander. Elfriede Mejchar ergriff bei Auftragsarbeiten die Gelegenheit, einen Blick von außen auf das eigene Set zu werfen: Stativ, Scheinwerfer, Reflexwände und andere zur Dokumentation von Kunstgegenständen benötigte Utensilien hält die Wiener Fotografin als Nature morte (800 €) fest. Der 1975 geborene Marko Zink durchstöbert als unermüdlicher Narziss die Wohnung und entdeckt sein verzerrtes Spiegelbild mal auf der Türschnalle, mal auf der Mikrowelle. Alte Einrichtungszeitungen dürften Walter Ebenhofer als Quelle für seine Fotoserie "das Schöne, zum Beispiel" (je 360 €) gedient haben. Aus diesen Interieurs isoliert der Künstler dekorative Objekte wie Polster oder Vasen, die farblich verfremdet und grob gerastert ihrer Botschaft "Wohnlichkeit" beraubt werden. (Bis 29. 9., Währinger Straße 59, Wien 9)

BLACK DRAGON SOCIETY: HANDSCHRIFT

Schon seit längerer Zeit ist ein wieder erwachtes Interesse an Figuration zu beobachten, das mit einer Aufwertung des Mediums Zeichnung Hand in Hand geht. Dieser Trend wird auch in der gelungenen Ausstellung "Line / Spot" bestätigt, die Arbeiten von Studenten der Akademie der bildenden Künste zeigt. Wer den "Realismus" lange Zeit gepachtet hatte, macht Kamen Stoyanov in seiner ironischen Zeichnung "Wir müssen die Leute für die EU vorbereiten" (450 €) deutlich: Dort steht ein Ballonverkäufer vor einer sozialistischen Plastik. Eine Vorliebe für surreale Szenarios und hohes technisches Können beweisen die Schmalix-Schüler Robert Freund und Jose Luis Garcia Pozo. Die spannendsten Papierarbeiten stammen jedoch von Daniel Domig, dessen rätselhaftes Triptychon (je 600 €) auch bei mehrmaliger Betrachtung seine komplexe Bildstrategie nur zögernd preisgibt. (Bis 9. September, Burggasse 51, Wien 7) Nicole Scheyerer