Kunst-Besuch: Giftige Kleider aus Rumänien!

"Formate/Moving Patterns" aus Bukarest am Wiener Karlsplatz.

Graue Häuser, blinde Fenster, Wäsche im Wind. Betonwüsten. Konservendosen. Stadtrand bis zum Horizont. Trostlos. Ja, so ist das halt in Bukarest, der Stadt, aus der Calin Dan, Gestalter des Videos "Sample City", kommt - traurige Reste des Kommunismus, sagen die einen, erste Kollateralschäden des Kapitalismus, sagen die anderen. Mag sein. Nur: Die Bilder, die Dan gesammelt hat, sind nicht alle aus Bukarest, sondern auch aus anderen Städten, etwa Tel Aviv, Chicago und Wien. Das steht freilich nur im Nachspann. Ein kluger Versuch zum Thema, was im Auge des Betrachters ist.

Er läuft im "Project Space" der Kunsthalle Wien am Karlsplatz, Künstler aus Bukarest sind hier zu Gast - einer Gegeneinladung folgend: Im Mai waren bei den "Wien Tagen" österreichische Künstler in Bukarest. Wo der Andrang größer war - weil Avantgarde dort noch aufregt, sagen die einen, weil der Hauptstrom der Kultur derzeit von Westen nach Osten fließt, die anderen.

Spielerisch wenigstens kann man sich in diesen Strom stellen und hoffen, dass man Wirbel erzeugt: wie Vlad Nanca, der in "Original Adidas" einen Schweinshaxen mit den drei Streifen versieht, seltsame Fanzines namens "Cheap" oder "Chemistry" bastelt, Versandhauskataloge des Grauens. Oder man kann mit bleicher Miene dabei sein: wie die Fotografin Alexandra Croitoru, die ihren Objekten die Hände kreuzweise auf die Schulter legt, den cool bis trüb schauenden Rappern wie dem Premierminister, der, wohin sonst, in die Zukunft blickt. Oder man zeigt programmatisch Härte: wie "Toxic Clothing", die Kleidung für kalte Zeiten schneiden. Auf ihrer Homepage läuft ein Countdown, dann wird ein Revolver entsichert, ein Kung-fu-Kämpfer droht, zwei Autos krachen ineinander, und Rumänien wächst über sich hinaus, unbescheiden, überflutet Europa.

Davon kann, wie gesagt, nicht die Rede sein. Schon gar nicht in der Popkultur (trotz Sommerhit "dragostea din tei") nicht einmal an deren Rändern. Exotik: So heißt eine Abteilung im globalen Supermarkt. Aber vielleicht klingt ein "Nintendo Joy Song" anders, gefährlicher, wenn ihn ein Mann namens Gojira singen lässt, der auch der "Mother mujahedina" ein Stück widmet?
Bis 10. 12., tägl. 16-24, So+Mo 13-19 Uhr; 12. 11., 21 Uhr: Konzert mit Gojira u. a.

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