Einen Überblick über Alfons Waldes Werk zeigt der Wiener Händler und Auktionator Wolfdietrich Hassfurther.
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as für Gebäude wären das wohl gewesen, die Alfons Walde Öster reich hinterlassen hätte? Verspiel te Tirolerhäuser oder gar avantgardistische Skilift-Stationen? Denn eigentlich hatte der 1891 geborene Sohn des Kitzbüheler Schulleiters in Wien Architektur studiert, bevor er sich für die Maler-Karriere entschied und uns lieber idyllische Bilder von lieblich verschneiten Landschaften und Kirchen hinterließ. Archetypen eines alpenländischen Heimatfilm-Feelings. Reine Geschmackssache, ob man sich hier nostalgisch verliert oder mit hochgezogener Augenbraue abwendet.
Jedenfalls erzielen Alfons Waldes Ansichten auf dem Markt ansehnliche Preise: Der Wiener Händler und Auktionator Wolfdietrich Hassfurther konnte im vergangenen Jahr einen kleinformatigen "Aufstieg der Skifahrer" (49 x 77 cm) um rekordverdächtige 512.400 Euro versteigern. Begehrt sind vor allem die winterlichen Motive, gediegene Grundausstattung vieler Kitzbüheler Zweitwohnsitze.
Schon zu Lebzeiten verkaufte der 1958 gestorbene Künstler seine Bilder am besten an Touristen - "in den 30er Jahren um 100, 200 Schilling", erzählt Hassfurther. Aus Deutschland und England kehrten viele dieser ursprünglichen Souvenirs in den letzten Jahrzehnten wieder auf den österreichischen Markt zurück. "Eine Generationen-Frage", vermutet der Kunsthändler, der nach zehnjähriger Abstinenz in seinen Räumlichkeiten nahe dem Juridicum wieder eine Verkaufs-Schau zusammenstellte. 44 Bilder sind es insgesamt, 13 davon sofort verkäuflich, ein anderer Teil kommt in die 25-Jahr-Jubiläumsauktion am 27. Mai. Mit privaten Leihgaben u. a. auch von Sammler Rudolf Leopold, der zwei halbnackte mondäne Tänzerinnen beisteuerte, ergänzte der Walde-Spezialist seine Überblicks-Schau.
Bis jetzt konnte er allerdings nur ein Bild verkaufen: "Diese Mischung aus verkäuflich und unverkäuflich hat ihre Nachteile." Die meisten Walde-Sammler finden sich in Bayern, Südtirol und ein paar wenige in der Schweiz. Sogar in Amerika gäbe es zwei - darunter auch einen Zauberkünstler, schmunzelt der Walde-Spezialist. "Das ist aber Zufall." Durch die Eröffnung der "Neuen Galerie" in New York bemerkt Hassfurther aber im Allgemeinen ein größeres Interesse an der österreichischen Kunst.
Das preisliche Highlight der Ausstellung ist der "Aufstieg der Skifahrer" aus Waldes stilistischer Reifezeit zwischen 1929 und 1937, in der er reduziert und flächig malte - "fast schon surrealistisch", konstatiert Hassfurther. Das Frühwerk findet sich im oberen Stock: Darunter ein Städtebild, das stark an die Dächerlandschaften Schieles erinnert, mit dem sich Walde in seiner Wiener Zeit angefreundet hatte. Damals lernte er auch Klimt kennen und später den Bildhauer Gustinus Ambrosi, der ihn brieflich mit Ratschlägen bedachte, ihn zu mehr Plastizität ermunterte und zu seinen Akt-Darstellungen, die Hassfurther um 15.000 Euro anbietet. Diese etwas zu plakativ anrüchigen Damen stammen zum Großteil aus einer Kiste, die Waldes Schwester bis zu ihrem Tod am Dachboden versteckt hatte. Wer weiß schließlich schon, wen Walde sich dereinst in Kitzbühel als Modell ausgesucht hat?
Bis 24. 3. Hohenstaufengasse 7, Wien 1. Mo. bis Fr. 9-18 Uhr, Sa. 9-17 Uhr.