Uraufführung: Ur-UFO mit Bodenhaftung

Bei der "Globart Academy" wird Donnerstagabend eine Multimedia Performance von Schülern der Meisterklasse Eva Schlegel mit Musik von Karlheinz Essl uraufgeführt.

Nichts weniger als "Das neue Bild vom Menschen" steht heuer auf dem Programm der "Globart Aca demy" im Kloster Pernegg im Waldviertel. Und was wäre dieses ohne Kunst? Also beauftragte man fünf Studenten der Fotografie-Klasse von Eva Schlegel an der Akademie der bildenden Künste, eine Multimedia-Performance zu entwickeln.

Seit Frühjahr wird diskutiert, konzipiert und wieder verworfen. Denn zum schwierigen, weil plakativen Thema gesellte sich ein schwieriger Aufführungsort: eine Klosterkirche. Allgemeine Irritation unter David Wiltschek, Christina Tsilidis, Hamidreza Tavakoli, Kamen Stoyanov und Caroline Heider - der neue Mensch, gerade in der Kirche? Jetzt erst fiel der Gruppe auf, dass jeder von ihnen einen anderen Glauben hat - von buddhistisch, evangelisch, griechisch-orthodox bis muslimisch. Das aber nur am Rande. Erst einmal entschied man sich für die Fiktion.

Ausschnitte aus alten wie neuen Science-Fiction-Filmen und aus TV-Dokumentationen (Found Footage) schnitt man zu einem sich immer wiederholenden 15-Minuten-Video (Loop) zusammen. Eine Art Bilder-Steinbruch, aus dem dann live wieder etwas Neues entstehen soll. In mehreren Stationen werden Bilder von Außerirdischen und UFOs, von Klonen und von Zerstörung zu einer neuen Geschichte aneinander gereiht.

Alles beginnt mit dem berühmten Knochenwurf der Affen aus Stanley Kubricks "Odyssee 2001". Und die Zeiger einer Uhr scheinen zwei Minuten vor Zwölf Uhr hängen geblieben. Von zwei verschmelzenden Zellen wird zu einer BBC-Doku über Zwillings-Forschungs geblendet, weiter geht es mit geklonten Menschenmassen über UFOs zum realen Schrecken der Atombombe. Dabei scheuten die Künstler nicht zurück vor Material von Leni Riefenstahl - "Wir haben einfach Bilder von marschierenden Menschen gebraucht" - und vor subtilem Witz wie dem Schnitt vom monumentalen UFO, das bei "Independence Day" New York verschattete, zur im Vergleich fast rührenden Landung eines Mini-Ur-Ufos aus dem 50er-Jahre-Film "Der Tag, an dem die Erde stillstand". Alles in allem schaut die Gruppe aber eher durch eine negative Brille auf Zukunft beziehungsweise Vergangenheit. Das Problem des ideologisch besetzten Raumes versuchte man mit Neutralisierung zu lösen: Vor den Altar wurden vier Meter hohe Schichten aus transparentem Stoff gespannt, auf die projiziert wird.

Eine weitere sinnliche Ebene kommt von Karlheinz Essl. Er hat eigens dafür ein Instrument auf seinem Computer entwickelt, "eine Art Klangladen, der meine Vorstellungswelt reflektiert", so der Komponist und Musiker. Auch er verwendet Found Footage, hat anonymes Klangmaterial aus der Kurzwelle "heruntergesampelt". Denn: "Den Bildern allein fehlt die Bodenhaftung, durch den Sound spricht man zur Seele".

Uraufführung: Donnerstag, 26. August, 19 Uhr, Kloster Pernegg.

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