International sorgte der Asiatika-Markt heuer schon für Rekorde. In Österreich muss er sich erst wieder etablieren.
Anfang des Jahrhunderts galt der hochgeschlossene Auftritt als Susie Wong-Double noch bei jeder Party als superchic; heuer ist der Asia-Trend in der Mode endgültig ausgeklungen. Die Inneneinrichter allerdings können noch getrost ihrem fernöstlichen Faible frönen, werden von Christie's sogar ausdrücklich zur Spezial-Auktion von monochromem chinesischen Porzellan (7. Juni, London) eingeladen. Kein Wunder, nach dem großen Erfolg des Auktionsriesen bei der "Asia Week" Ende März in New York: Christie's ließ die Konkurrenz heuer weit hinter sich und konnte mit insgesamt 20 Millionen Dollar das höchste Gesamtergebnis dieser Spezial-Auktionen von japanischer, koreanischer, chinesischer bis indischer Kunst einfahren. Vor allem die chinesischen Sammler klinken sich immer stärker in die Auktionen ein, lassen die Objekte wieder in ihr Ursprungsland zurückkehren.
Einen ziemlich einsamen Höhepunkt vermeldete Sotheby's aus der New Yorker Asien-Woche. Das Auktionshaus vermochte nur enttäuschende 70 Prozent seiner in dieser Woche angebotenen Lose abzusetzen: Immerhin wurde mit 736.000 Dollar der bisher höchste in einer öffentlichen Auktion erreichte Preis für einen Buddha aus dem sagenumwobenen Gandhara-Königreich (500 v. Chr. bis 500 n. Chr., gelegen im heutigen Afghanistan) erzielt.
Auf ein größeres Interesse hofft auch die Expertin für asiatische Kunst im Wiener Dorotheum, Jorinde Ebert. Als das Traditionshaus nach über sechs Jahren Pause seine Asiatika-Sparte im vergangenen Oktober wieder aufleben ließ, stieß man - fast war es zu erwarten - auf einigen Widerstand aus der heimischen "Szene". Das Marktsegment hat in Österreich eine schwierige Geschichte, in den letzten Jahrzehnten geprägt von Intrigen und Fälschungs-Skandalen. Die erste Auktion im Herbst lief enttäuschend: Nur 107 von 510 Losen konnten zugeschlagen werden. "Wir waren noch nicht eingearbeitet", gibt Ebert zu. Der Markt müsse erst wieder aufgebaut werden, mit den ersten Auktionen will die Expertin die Käuferschaft erst einmal abtesten. So scheint, anders als sie dachte, Porzellan für Wien weniger interessant zu sein. Für die aktuelle Asiatika-Auktion morgen, Freitag, wurde das fragile Angebot dementsprechend reduziert. Statt knapp 500 finden sich diesmal etwa 100 Nummern weniger im Katalog. Ein großer Teil der Buddha-Figuren, Textilien, Möbel, Drucke, Erotika stammt aus dem 19. Jahrhundert. Etwa die 74cm hohe Bronzefigur eines Bogenschützen auf einem von Wasser umspülten Felsen. Ebert deutet den japanischen Krieger als Abbild des legendären Minamoto no Tametomo (1139-1170 n. Chr.), der, nach Oshima verbannt, sieben Inseln unterwarf, Schiffe mit einem Bogenschuss versenkte und sich schlussendlich selbst entleibte (Preis der Figur: 7000-9000 Euro). Unter den teuersten Stücken: ein osttibetisches Thangka (Tempel schmückende Rollbilder) aus dem 16./17. Jahrhundert (7000-8000 Euro), ein 43 Zentimeter großer Bronzekopf (Tibet/China, 19./20. Jahrhundert) um 7000-14.000 Â. "Spektakulär" nennt Ebert acht Tuschmalereien auf Seide des 1717 gestorbenen chinesischen Malers Wang Hui (2000-4000 Â).
Unter den immer beliebten Elfenbeinschnitzereien (Netsukes) finden sich einige besonders schöne Stücke, wie die kleinteilig-fragilen "Sieben Weisen im Bambushain" (700-800 Â) oder eine Ratte, die sich an eine Pfefferonischote klammert. (2500-3000 Â). Während die Einbringer zur Auktion fast alle aus Österreich stammen, ist die Kundschaft gemischt: Händler aus New York wie Deutschland werden erwartet, auch chinesische und japanische Interessenten wurden bereits verbucht. "Das sind unsere großen Käufer von morgen", bestätigt auch Ebert den internationalen Trend.
Von der internationalen Nachfrage lebt das auf Asiatika spezialisierte Wiener Auktionshaus Zacke im Palais Esterhazy schon lange: 70 Prozent des Angebots gehen ins Ausland, etwa die Hälfte gleich nach Übersee, berichtet Irene Zacke. In ihrer Frühlingsausstellung, die noch bis 29. Mai läuft, beginnen bereits die roten Verkaufspunkte zu sprießen. Eine breite Palette an chinesischen Grabbeigaben vom Neolithikum (etwa 5500-1700 v. Chr.) bis ins 14. Jahrhundert n. Chr. wurde zusammengetragen, hauptsächlich sind es Terrakotten aus den Han- und Tang-Dynastien.
Kaisern und hohen Beamten wurden als jenseitiger Hofstaat ganze Heerscharen tönerner Diener, Tiere, Gerätschaften ins Erdreich mitgegeben. Als eine Art asiatische Wunderkammer gestaltet sich so auch Zackes Hauptraum: Ein Drache, der jedem Fantasy-Film zum Schrecken gereichen würde, richtet sich neben einigen plump-goldigen Kühen und Kamelen auf, während zwei Tänzerinnen gerade zum "Tanz mit den langen Ärmeln" anzuheben scheinen. Das preisliche Highlight ist ein 74 Zentimeter hohes farbiges Keramik-Pferd, zugeschrieben der Tang-Dynastie, mit 90.000 Â. Ein Keramik-Tellerchen aus der Jin-Dynastie gibts aber auch schon um 700 Â - sogar mit einem späten "Osterhasen" bemalt. Für nächstes Jahr vielleicht.
Mann hütet Geldbeutel, Frau zieht an Hose: Netsuke, 18.Jhdt. [Foto: Dorotheum]