Salzburg: Aus den Sternen auf den Mönchsberg

Am 23. Oktober eröffnet das Museum der Moderne am Mönchsberg. Ein staubiger Baustellen-Rundgang mit Direktorin Agnes Husslein.

Unbeirrt stapfen Agnes Husslein und Schnauzer Harry über Stahl netze, fädeln sich durch Kabelsa lat und tauchen durch Plastikplanen ins Freie. Staub? Ein Statussymbol für Bauherrinnen! Mit siegessicherem Lächeln führt die Rupertinum-Direktorin durch ihr neues Haus, das mitten im Landschaftsschutzgebiet am Mönchsberg über Salzburg ruht. Nach zweieinhalb Jahren Bauzeit und Investitionen von 25,4 Millionen Euro steht jetzt mit dem 23. Oktober auch der Eröffnungstermin fest. Von außen scheint dabei nur mehr das Glas des großen Panoramafensters in den flachen Kubus am Mönchsberg eingesetzt werden zu müssen. Sogar die dezenten Schlitze in der mit Tonnen von rosigem Untersberger Marmor verkleideten Fassade wurden bereits im richtigen Rhythmus ausgespart: Sie orientieren sich an Taktstrichen von Mozart-Arien. Doch im Inneren des Museums der Moderne Salzburg herrscht noch Rohbaustimmung. Und ein wenig davon soll bleiben: Polierter Sichtbeton lässt die Wände nur sanft glänzen.

Auch sonst ist der Bau der Münchner Architekten "Friedrich Hoff Zwink" superschlicht: Die auf drei Geschosse aufgeteilten 2500 Quadratmeter Ausstellungsfläche erschließen sich über einen Stiegenaufgang, der sich in einer imposanten Oberlichtenschlucht nach links und rechts teilt. In ihrer Reduktion versprechen die Raumfluchten, sich ganz der Kunst unterzuordnen. Das Linzer Lentos, als elegantester und funktionalster Museumsneubau Österreichs der letzten Jahrzehnte, hat mit dem Museum der Moderne Konkurrenz bekommen. Die Ausstellungsräume über der Salzach aber sind verschachtelter, nicht so streng linear angeordnet, wie im Haus an der Donau.

Die Durchblicke auf Stadt und Landschaft aber sind die wahren Höhepunkte des Neubaus: Absoluter Renner wird wohl das von Mattheo Thun gestaltete Restaurant samt Terrasse. Der Blick auf Salzburg ist atemberaubend. Das verspricht auch die Küche, die von Sepp Schellhorn, Hotelier aus Goldegg, betrieben werden wird. Außergewöhnlich sind auch die künstlerischen Interventionen, die Husslein förderte: Ecke Bonk wird den Liftblock am Eingang mit Geigerzählern, Spiegeln und einem William-Blake-Zitat ausstatten: "We are born in stars and we live on earth as poets". Ein romantischer Beginn. Daneben der Shop, den Eva Schlegel mit Glasabteilen versehen wird. Auch den Zugang zu den Liften am Fuß des Berges in der Altstadt soll Schlegel mit Glaskunst zum Hingucker machen.

Auf das auffälligste Symbol muss Husslein allerdings verzichten: Der spektakulär geknickte Panoramalift von "Delugan und Meissl" wurde vor kurzem von der Salzburg AG wieder abgesagt - "zu teuer", berichtet die Direktorin. Auch ein anderes Projekt scheint gestorben: Im Wasserturm neben dem Museum wollte sie einen "Tower of Education" einrichten. "Ich hatte schon die Zusage der Stadt, aber dann habe ich mir den Fauxpas Gelatin geleistet", spielt Husslein auf den Skandal mit dem pissenden "Arc de Triomphe" im vergangenen Festspielsommer an. Ob sie sich für heuer schon etwas überlegt hat? "Kommt Zeit, kommt Rat", so die kryptische Antwort.

Für Spektakel wird jedenfalls schon das neue Museum sorgen: Vor der offiziellen Eröffnung wird es ab 23. Juli "eingeleuchtet": Lichtskulpturen von u. a. Olafur Eliasson, Sylvie Fleury, Jenny Holzer sollen das Haus erstmals in Szene setzen.

Baustellen-Führungen jeden ersten Mittwoch im Monat, 16 Uhr. Anmeldung: info@museumdermoderne.at, 0662/8042-2541.

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