Rainer, Baum und Nilpferde.
E
s muss ja nicht immer überteuerter Ramsch sein, der in der Panik der letzten Minute den Besitzer wech selt. Kunst kann man immer schenken, vom Wiener-Werkstätten-Fundstück bis zum Katalog der Lieblings-Ausstellung. Hier ein paar Anregungen.
Wer unter den Baum noch die schicke und viel beworbene blaue Tischlampe von Franz West stellen möchte, muss enttäuscht werden. Die 100 Stück um 2300 Euro, eine Edition der Innsbrucker Galerie Thoman, sind ausverkauft. Mit der neuen Edition "Body Poses" von Arnulf Rainer, der am 8. Dezember seinen 75. Geburtstag feierte, kann man hier aber trotzdem glücklich werden. Bis 31. Dezember sind die drei bisher nie veröffentlichten überarbeiteten Radierungen des österreichischen Informel-Stars aus den Jahren 1971/72 sogar noch zum Subskriptionspreis von je 1000 € (statt 1500 €) erhältlich. Die ganze Kassette (Auflage 40 Stück) kostet 2800 € (statt 4500 €). (Galerie Thoman, Tel: 0512/57 57 85-0)
Wer es mehr mit der klassischen Moderne hält und noch immer unter Einfluss der Chagall-Ausstellung in der Albertina steht, kann sich in die Internet-Auktionen des Dorotheums einklinken. Hier werden zur Zeit mehrere lithografische Blätter Chagalls angeboten, etwa eine "Kreuzigung, Ochse und Mutterschaft" aus 1950. Am Mittwoch galt noch der Ausrufungspreis, 150 €. (www.dorotheum.at) Unter "Kurioses" findet sich hier übrigens noch eine hölzerne "Helmmaske" aus Kamerun, als Haare und Bart dient eine geflochtene Schnur.
Derlei Fetisch-Verliebtheit trieb wohl auch die Haar-Künstlerin Karin Hannak zum wohl absonderlichsten Christbaumschmuck des Jahres, dem "Capillo Globe". In Glaskugeln kringeln sich schwarze und blonde Haarsträhnen, die laut Künstlerin "symbolisch für den Menschen stehen und einen Embryo im Mutterleib andeuten". Eindeutig eine Geschmacksfrage. Um 10 € entscheidet sie sich in den Museums-Shops des Lentos Linz und im Künstlerhaus Wien.
Apropos Museum. Wer einmal die ägyptische Sammlung des Kunsthistorischen besucht hat, wird die türkisblaue Nilpferd-Fayence, bemalt mit Lotos und Vögeln, nicht mehr aus seinem Herzen löschen können. Um 2000 vor Christus landete sie als Beigabe in einem Grab, die Nilpferdjagd war im alten Ägypten ein vom König verliehenes Privileg. Im Oktober wurde einer dieser kostbaren Funde, der 13 Zentimeter lange "Hubert", bei Christie's um 621.250 US-Dollar versteigert. Eine eindeutig kostengünstigere und kuscheligere Variante hat sich das KHM für sein Haustierchen ausgedacht, und "Nillie" als Stofftier (12,70 Euro) reproduzieren lassen. Nicht nur für Kinder.
Auch für diese wird man im Shop der Sammlung Essl Klosterneuburg fündig. Beim Memory-Spiel "Master Pieces" (19.90 €) geht man auf die Jagd nach der zweiten Hälfte von Kunstwerken von u. a. Baselitz, Lassnig, Kippenberger.
Dem Gedächtnis auf die Sprünge helfen auch die fotografischen Erinnerungen von Peter Baum, dem langjährigen Leiter der Neuen Galerie Linz: Seit den 50er Jahren hielt er Zufallsbegegnungen, Biennale- und Atelier-Besuche, Jazz-Konzerte fest. Ein heiteres Wiedersehen mit einem gestikulierenden Albert Paris Gütersloh, einem barfüßigen Hundertwasser und einem Joseph Beuys mit Plüsch-hasen. (Verlag Brandstätter, 25 €)