Kunstmarkt: Knuddeln in Gugging

Ein weißes Monster will spielen: Der junge japanische Performance-Künstler Shintaro Miyake besucht Wien als unschuldiger "Innocy".

Fluffy war doch eher der extrovertierte Typ. Mit seinen zwei Meter langen Fühlern, die an weißen Ballons hängend über dem elliptischen Kopf schwebten. Und dem freundlichen hellblauen Plüschfell mit dem netten Wolkenmuster. Ein ziemlich niedlicher Strampelanzug. Ganz selbstverständlich kniete diese skurril-monströse Figur mitten im schicken Rummel der Art Basel in Miami Beach auf dem Filzboden und zeichnete: eine ganze Armee von frechen Girlies mit überlangen dünnen Füßchen, zu großen Köpfen, zu wallenden Zöpfen, zu kurzen Kleidchen.

Seine "Miss Sweets", wie er die seltsamen Mädchen nennt, waren dem 33-jährigen japanischen Künstler Shintaro Miyake aber zu wenig. Zu still, zu wenig spektakulär. Heute muss man am Markt schon viel mehr - oder extrem viel weniger - bieten, um aufzufallen. Also: Performance. Seit vier Jahren verwandelt sich Miyake regelmäßig in sein eigenes Maskottchen, näht zu Charakteren seiner Bilder fantastische Kostüme - und gilt heute als Shooting-Star der zurzeit international sowieso ziemlich gepushten japanischen Kunstszene. Das Kostüm sei sein "Trick", um Reaktionen zu bekommen, gibt Miyake auch offen zu.

Ende Jänner traf er dann in Wien ein. Oder besser: es. Das unschuldige, unsichere Monster "Innocy". Wien wird es prägen dürfen und verändern, sein noch unbedarftes Wesen manipulieren. Entwicklungs-Kunst sozusagen. Zwei Monate lang wird sich das kuschlige Ding in einem kleinen eingebauten Häuschen in den Projekträumen der Galeristin Ursula Krinzinger selber ausstellen - und sich von Postkarten zum Zeichnen inspirieren lassen, die es natürlich auch beantworten wird. Zwischen 300 und 1500 Euro wird so ein Blatt kosten, ein vielversprechender Einsteigerpreis. Doch vor der Klausur gab es ein wenig Sightseeing: der Prater, das erste Mal Tennis spielen, ein Wiener Caf©. Überall freundliche Gesichter - was aber auch am Fasching liegen könnte. Bei einem Salzburg-Besuch im Jänner, wo Miyake im Rahmen der Rupertinum-Ausstellung "Japanese Exerience" auftrat, waren die Reaktionen befremdlicher, erzählt er der "Presse".

Vor allem aber erzählt der junge Künstler von seinen Begegnungen im Gugginger Künstlerhaus, das er eindringlich zu besuchen wünschte. Schließlich habe ihn die Kunst der Gugginger, besonders Johann Hauser, stark beeinflusst, als er sie vor sieben Jahren in Japan in einer Ausstellung sah. Sie hat ihn befreit sozusagen. Vorher lernte er an der Universität Radierung und Druck. Nachher gab er die "harten, begrenzten Bilder" auf und arbeitete "freier und relaxter". Jetzt konnte er gemeinsam mit den bewunderten Künstlern malen. Wie diese auf "Innocy" reagiert haben, muss man ihn selber fragen.

Vernissage: Freitag, 20. 2., 19 Uhr. "Krinzinger Projekte", Schottenfeldg. 45, Wien 7. Bis 3. April, Mi.-Fr. 15-19h, Sa. 11-14h. Postkarten bitte "zu Handen von Herrn Innocy".

www.sweetstar.jp

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