Interview: "Ich restauriere mich in Wien"

Heute, Dienstag, eröffnet Francesca Habsburg in Wien ihren "Space in Progress" und spricht über ihr Faible für Interaktivität.

Der Vorhang! "Kann man den nicht höher hängen?" Francesca Habs burg ist Ästhetin. Auch beim Auf bau der Installationen ihrer Lieblingskünstlerin Janet Cardiff, mit der sie ihre Wiener Ausstellungsräume heute, Dienstag, Abend eröffnet. Die Interviews lässt sie gelassen auf einem braunen Ledersofa in ihrem künftigen Büro über sich ergehen.

Drei Räume in der Wiener Himmelpfortgasse, 150 Quadratmeter groß, wird sie mit ihrer "Thyssen-Bornemisza Art Contemporary Foundation" (TBA-21) als "Space in Progress" bespielen. Gleich darüber liegt ihr Appartement, erzählt sie. "Es ist so angenehm, ich kann zum Mittagessen nach Hause gehen." Ein Fahrradbote stört, sein Wienerisch stößt bei Habsburg auf Unverständnis. Sie bevorzugt Englisch. Sicherheitshalber schließt sie die Bürotür.

Im vergangenen Jahr war es, dass ihre Sammelleidenschaft erstmals öffentlich für Verwunderung sorgte. In einer Ausstellung in Dubrovnik machte Habsburg, die sich zuvor mit ihrer "Arch Foundation" vor allem für Erhalt und Restaurierung von Weltkulturerbe engagiert hatte, ihren neuen Schwerpunkt klar: Die Tochter des 2002 verstorbenen Kunstmäzens Baron Hans-Heinrich Thyssen-Bornemisza und Ehefrau von Karl Habsburg folgt den Spuren ihres Vaters, spezialisierte sich aber auf Neue-Medien-Kunst, "hardcore contemporary", wie sie sagt: Etwa 200 Videos, Installationen, Fotografie, Performance Kunst hat sie in den letzten zwei Jahren gekauft. Ein beeindruckender Schnitt. Noch befinde sie sich in ihrer ganz persönlichen "Lernkurve". Diese wird stark von den persönlichen Kontakten zu Künstlern gelenkt. Francesca Habsburg kommt schwer ins Schwärmen, wenn es um ihre Künstler geht. Unterbrechungen werden da nicht geduldet.

Besonders an Orten, die stark auf ihre historischen Wurzeln bedacht seien wie Dubrovnik oder Salzburg, meint die Neo-Sammlerin, füttere zeitgenössische Kunst die "intellektuelle Seele der Menschen". Dementsprechend müssten die Seelen des Wiener Publikums aber bereits übergewichtig sein. Dass die Sammlerin den ersten fixen Mittelpunkt ihrer TBA-21 gerade hierher verlegt hat, wirkt so gesehen fast grausam. "Well, I am restoring myself in Vienna", verteidigt sie ihre Entscheidung: "Manchmal ist es auch wichtig, daran zu denken, was für mich gut ist." Aber: Wien sei natürlich eine sehr aufregende Stadt im Moment. "Die Leute auf der Straße sagen, es wird ein neues Goldenes Zeitalter geben. Ich weiß zwar nicht unbedingt, was das heißt, aber es hat eine positive Konnotation."

Neben einer logistischen Entscheidung - "Meine Kinder leben in Salzburg" - sei Wien auch vom kulturellen Standpunkt her eine gute Wahl gewesen: "Es gibt mehr institutionelle Räume für zeitgenössische Kunst als in anderen europäischen Hauptstädten. Wahrscheinlich auch mehr als in amerikanischen Städten." Dass auch Museen wie die Albertina aktuelle Kunst zeigen, ist für Habsburg ein gutes Zeichen: "Für die Kunstwelt ist das eine wichtige Botschaft." In Berlin etwa gäbe es zwar viele Künstler, aber keine Ausstellungsmöglichkeiten.

Dabei geht es Habsburg gar nicht um einen fixen Ort: Schon zur Eröffnung expandiert sie mit einer Großinstallation von Cardiff ins Semperdepot. Und künftig auch vermehrt in den öffentlichen Raum: "Es ist leichter, Kunst zu den Leuten, als Leute zur Kunst zu bringen", beschreibt sie ihr Konzept. Erfolg verspricht sie sich durch die Interaktivität ihres Programms. Beispiele? Künstler Olaf Nicolai etwa überlegt, den Raum temporär als Kindergarten zu adaptieren. Und Kutlug Ataman wird in einem Container Videointerviews mit Bewohnern aus dem Armenviertel Istanbuls präsentieren: "Man wird die Videos stellvertretend für die Personen nach Hause einladen können. Wir werden sie installieren, aber sie müssen für eine gewisse Zeit pro Tag öffentlich zugänglich sein." So kann dann jeder seinen eigenen "Space in Progress" eröffnen. Auch die Leute von der Straße.

TBA-21, Wien 1, Himmelpfortgasse 13, 2. Stock, Di.-Sa., 12-19 Uhr.

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