Porträt: Schlachtschiff an Salzach und Seine

Vor 20 Jahren eröffnete Thaddaeus Ropac seine erste Galerie in Salzburg.

Dauerhaftes Glück - "Perpetual Bliss" nannte Thaddaeus Ropac vergangenen Herbst eine Skulptu ren-Ausstellung in seiner Pariser Galerie. Ein Titel, der auch auf den Galeristen selbst zutrifft. Im letzten Power-Issue des US-Hochglanz-Magazins "Art & Auction" wurde er als "Urbane Legend" gefeiert, seine Anselm-Kiefer-Schau 2003 erregte weltweites Aufsehen, seine Messestände können innerhalb Stunden ausverkauft sein, seine Ausstellungen sind es manchmal, wie bei den großformatigen Fotos von Jean-Marc Bustamante, schon vor der Eröffnung.

Mit Sitz in Salzburg und Paris ist Ropac zentraler Vertreter von Stars wie Gilbert & George, Georg Baselitz, Tony Cragg. Er sitzt im Advisory Board des Guggenheim-Museums in New York und der Kunstmesse FIAC in Paris. Zur Zeit blickt der 44-Jährige Osttiroler mit einer musealen Gruppen-Schau in seiner Villa Kast, gleich neben Schloss Mirabell, zurück auf 20 Jahre Galerien-Arbeit in Salzburg. Dabei hätte er sein Berufs-Jubiläum schon vor zwei Jahren begehen können. Denn bereits 1982 hat er einen Mini-Kunstraum in Lienz eröffnet. "Ich war damals 21 - wusste nicht, was eine Galerie ist, wie das kommerziell funktionieren soll."

Gerade war er aus Berlin zurückgekommen, wo er bei Beuys - "Er war mein großer Hero" - an der Skulptur "Blitzschlag" mitgearbeitet hatte. Dort lernte er "damals zum Teil noch sehr, sehr unbekannte Künstler" kennen - das Startkapital für die spätere Karriere. Doch zuerst hieß es Nachilfestunden in Englisch geben, um das winzige Geschäft in Lienz durchzubringen. Sein Programm bestand vor allem aus österreichischen Künstlern wie Karl Prantl, Rainer, Anzinger, Oberhuber. Nach einer Ausstellung junger österreichischer Kunst in Berlin suchte Ropac 1983 dann einen neuen Standort in Österreich.

"Ich bin mit viel Euphorie nach Wien gekommen, hatte schon einen kleinen Raum bei Maria am Gestade gefunden", erzählt Ropac. "Doch dann lernte ich einige Kolleginnen kennen . . . Die Stimmung war von vornherein so negativ gegenüber dem, was ich machen wollte. Das hat mich abgeschreckt." Ropac ging nach Salzburg, holte Beuys, Lüpertz, Schnabel. Ende der 80er überrollte der Kunstmarkt-Boom den noch weitgehend unbekannten Salzburger Newcomer - und der Rest ist "Urbane Legend".

1990 wurde nach Paris expandiert. Dort, auf fast 1000 Quadratmetern, liegt heute noch das Zentrum der Aktivitäten von Ropac und seinen 24 Mitarbeitern. Hier traf ihn auch der Markt-Einbruch in den 90ern besonders hart - "Ich hatte ein riesiges Schlachtschiff errichtet und plötzlich war kein Wind mehr in den Segeln". Im Moment allerdings, sagt Ropac, erlebe er die beste Zeit, die er je hatte.

Wo liegt der Unterschied zu den erfolgreichen 80er Jahren? "Heute sind die Sammler zeitgenössischer Kunst wesentlich besser informiert, alles konzentriert sich sehr auf die Qualität", analysiert Ropac. "Das bewahrt uns davor, dass der Markt wieder zusammenbricht."

Während der asiatische Markt den Galeristen im Moment gar nicht interessiert, reizt ihn die russische Szene. Gerade ist er von St. Petersburg zurückgekommen. "Da rückt eine junge Generation nach, die wirklich spannend ist. Wir werden sicher bald einen Russland-Schwerpunkt setzen." Und auch wenn Ropac mit derlei Prognosen nur ja keinen Trend festsetzen will - auf sein "perpetual bliss" wird man wohl auch die nächsten 20 Jahre vertrauen können.

Ausstellung: Bis 28. 8., Mirabellplatz 2, Di.-Fr. 10-18 h, Sa. 10-14 h.

INTERNET 

www.ropac.net

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.