Die "kunst wien" wird heuer wieder ausländische Galerien einladen. Kann das Österreichs zäheste, aber stagnierende Kunstmesse inspirieren?
Wie viel Publikum interessiert eine Kunstmesse - in Wien? Mehr als 13.000 Personen dürften es nicht sein. Jedenfalls bis jetzt. Schon 1976, bei der allerersten Wiener Kunstmesse im Palais Liechtenstein, konnte Veranstalter Kurt Jirasko 12.500 Besucher motivieren. Gerade einmal 500 mehr kommen seit neun Jahren zur "kunst wien", die jeden Herbst im Museum für angewandte Kunst stattfindet - ebenfalls von Kurt Jirasko ("Präsenta") organisiert. Heuer, von 7. bis 10. Oktober, feiert die immerhin zäheste Kunstmesse Österreichs ihr zehnjähriges Jubiläum - und stagniert.
Doch zum runden Geburtstag soll die "kunst wien" neuen Esprit erhalten. Nach einer Pause von fünf Jahren werden heuer wieder ausländische Aussteller zugelassen. "Über 30 Anfragen" seien schon bei Jirasko eingetrudelt, so der Wiener Unternehmer (77).
Mehr als zehn werden aber wegen beschränkter Platzverhältnisse - trotz erstmals mitgenutzter Säulenhalle - nicht angenommen werden können. Die Auswahl entscheidet der achtköpfige Beirat.
Die Frage ist: Warum sollte eine Galerie nach Wien kommen? Professionelle Sammler sind in Österreich selten. Auch die "kunst wien" betont immer wieder ihre Ausrichtung auf "Neueinsteiger". Messe-Beiratsmitglied Ursula Krinzinger: "Die Hauptattraktion sind Wiens Museen! Die Galeristen können hier Kontakte knüpfen, um ihre Künstler in den Ausstellungs-Programmen unterzubringen." Das rentiere sich mehr als der Verkauf einer Arbeit, weiß die Galeristin, die auch in den Beiräten der Art Basel Miami oder der Pariser FIAC sitzt. Eine weitere Attraktion wäre ein exklusives Rahmenprogramm aus Empfängen, Vernissagen, Atelier-Besuchen, das eine Messe einbettet. In Wien hat es nie existiert. "Wir suchen gerade jemanden, der sich darum kümmert", sagt Krinzinger.
Die Illusion, dass aus der "kunst wien" einmal eine große internationale Messe wächst, ist schon lange zerplatzt. "Dafür ist Wien nicht der richtige Ort", bestätigt auch Beiratsmitglied Ernst Hilger. "Klein, aber mit intensiver Qualität" sei wichtiger. Schwierig war es in den vergangenen Jahren allerdings schon, in einem völlig übersättigten, gestressten Markt, die lokalen Top-Galerien zu halten. 2003 fehlten drei wichtige österreichische Galerien im MAK. Schuld daran war eine unglückliche Terminkollision. Kargl, Ropac, Janda entschieden sich für die Teilnahme an der neuen Hochglanz-Messe "Frieze" in London.
Georg Kargl, der nach fünf Jahren im Beirat 2002 ausgetreten ist: "Wenn es sich terminlich ausgeht, nehme ich heuer wieder teil." Was hält er von der Öffnung für ausländische Galerien? "Das verträgt der österreichische Markt nicht, er ist noch nicht reif. Wir haben einen Rückstand von 30, 40 Jahren aufzuholen! Der Sammler muss hier noch an der Hand genommen und beraten werden. Und was soll man den Galerien bieten, damit sie nicht enttäuscht wieder wegfahren?" Nicht genügend Sammler, kein Rahmenprogramm würden Jahre der Aufbauarbeit mit einer Veranstaltung wieder über den Haufen werfen, so der wortgewaltige Wiener Galerist. Aber Kargl ärgert sich nicht nur, er hat auch konkrete Vorschläge: "Nur mehr die 30 besten heimischen Galerien dürfen ausstellen - aber auf doppelt so großen Ständen. Und keine billigen Kinkerlitzchen um 200, 300 Euro mehr, sondern adäquate, großformatige Werke - die Österreicher sind ja nicht blöd."
Mit extravaganten One-Man-Shows bestritt Österreichs international erfolgreichster Galerist, Thaddaeus Ropac, seine "zwei, drei" Heimspiele. Heuer will er nicht an der "kunst wien" teilnehmen. "Mit zwei Neuzugängen im Herbst, der Frieze in London und der Art Basel Miami, sind unsere Kapazitäten ausgelastet. Ich habe Wien immer nur aus Patriotismus gemacht." Der internationale Markt könne keine weitere Messe mehr aufnehmen, so Ropac. "Die wirklich großen Galerien können Wien gar nicht mehr beschicken!" Eine einzige Chance räumt er dem Wiener Standort ein: "die Konzentration auf das Beste aus dem Osten". Diese Schiene versuche auch das Berliner "Artforum". Aber, so Ropac, dann gäbe es wenigstens nur einen Konkurrenten.
Ursula Krinzinger dagegen sieht die Chance der Messe nur dann, wenn Sammler eingeflogen werden - "und die kommen im Schlepptau mit ihren Stammgalerien". Wie mit den Galerien aus dem Osten umgegangen werden wird, wisse man im Beirat noch nicht genau, so Krinzinger - "die bringen leider auch keine Sammler mit." Ein Schwerpunkt Osten sei aber sehr wohl angedacht. Jedenfalls wird unter den heimischen Teilnehmern ausgesiebt werden müssen, um Platz für ausländische Galerien zu machen. Krinzinger: "Es wird viel strengere Kriterien geben." Und über kurz oder lang werde eine Übersiedelung ins größere Messezentrum nicht zu vermeiden sein.