Auktion: Schieles Verspannung

Die 49. Wiener Kunstauktion im Palais Kinsky birgt eine ungewöhnliche Schiele-Zeichnung und eine klassizistische Entdeckung.

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as Jahr 1912 verbindet zwei Spit zen-Lose der 49. Wiener Kunst auktion miteinander, die nächsten Mittwoch, 28. April, im Palais Kinsky über die Bühne gehen wird. In dem Jahr, als Egon Schiele wegen Verdachts auf Entführung eines 14-jährigen Mädchens und der "Verbreitung unsittlicher Zeichnungen" 24 Tage Gefängnis ausfasste, entstand sein ungewöhnliches "Selbstbildnis mit ausgebreiteten Armen". Ungewöhnlich für den manischen Selbstporträtisten ist das quere Format (31,8 mal 48,1cm), das der 1918 verstorbene junge Wilde sonst hauptsächlich für Landschaften wählte.

Mit einer orthopädisch äußerst bedenklichen Drehung um die eigene Achse spannte Schiele seinen schmalen Körper mit erhobenen Armen in die Fläche. Kreuzigung, Trauer, Triumph? Schwer zu deuten. Das Gesicht ist mit Kussmund und umschatteten Augen fast ein wenig zu lieblich aquarelliert. Um 300.000 Euro wird das Blatt im Palais Kinsky ausgerufen. Ein Mädchenakt aus Schieles Sterbejahr (90.000 Euro) sowie vier Zeichnungen von Gustav Klimt (55.000 Euro) werten das Angebot auf Papier diesmal zum Höhepunkt der Auktion auf.

Eine Entdeckung ist das zweite Werk aus 1912: Die klassizistische "Sommeridylle" von Georg Merkel, der 1881 in Lemberg geboren, 1976 in Wien verstarb. Das frühe, von gelassener Heiterkeit erfüllte Hauptwerk des Malers kommt um 50.000 € unter den Hammer. Stark vertreten sind noch die Stimmungsimpressionistinnen mit Marie Egner, Tina Blau und Olga Wisinger-Florian, die mit einem üppigen "Blühenden Fenster" (35.000 €) heraussticht.

Das Angebot der 49. Aktion ist durch Exponate aus zwei Privatsammlungen geprägt: Der Großteil der Gemälde stammt aus der Sammlung des steirischen Industriellen Friedrich Pfohl. Die zeitgenössische Sparte wird mit u. a. frühen Arbeiten von Rainer und Lassnig von einer Kärntner Sammlung bestimmt. Rainer ist weiters mit einem Kreuz aus 1988 (40.000 €) vertreten.

Ein fast dreieinhalb Meter langes Triptychon von Kart "Kappa" Kocherscheidt (1985/86) (50.000 €) und ein fast ebenso hohes Blatt von Herbert Brandl aus seiner Schau bei der 20. Biennale von São Paolo 1989 (6000 €) ragen heraus. Nicht zu vergessen: Max Weilers "Steiler Abhang" (1982), der sich in der Sammlung des Tabakmuseums befand. Um 100.000 € wird er ausgerufen, auf 200.000 € hat ihn Georg Kargl geschätzt. Nach zehn Jahren im Haus verabschiedet sich der Experte mit dieser Auktion. Er will sich verstärkt seiner Galerie widmen. Die Nachfolge ist noch nicht fixiert.

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