Kritik Ausstellung: Sehnsucht "Schwindien"

Die Österreichische Galerie lässt Moritz von Schwinds 200. Geburtstag nicht ohne Ausstellung vorübergehen.

Moritz von Schwind zu würdigen ist eine ambivalente Aufgabe. Ehrenvoll, da dieser Meister der Spätromantik mit seinen illustrativen Märchen-Darstellungen so gerne unter den Tisch gekehrt wird. Problematisch, weil das zum Teil zu Recht geschieht. Unbeirrt von jeglicher modernen Strömung hielt der 1804 in Wien geborene Künstler bis zu seinem Tod 1871, also bis weit in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein, an seinem poetisch idealisierenden Stil fest. Der Höhepunkt der Romantik, die 1835 bereits abzublättern begann, war längst vorbei. Schwinds Arbeit wurde als Repräsentationskunst ohne Ecken und Kanten geschätzt. Vor allem in München, wohin er nach seinem Studium an der Wiener Akademie 1828 wechselte, war er populär. Hier erhielt er seine ersten öffentlichen Aufträge und wurde 1847 Professor an der Akademie.

60 Jahre alt musste Schwind aber werden, bis er in seiner Heimatstadt Anerkennung fand. 1864 erhielt er von Kaiser Franz Joseph den Auftrag, die Loggia der Staatsoper mit einem Zauberflöten-Zyklus zu freskieren. "Die Mauern Wiens mussten fallen . . .", soll Schwind damals gejubelt haben, erzählt sein Urgroßneffe im Katalog zur am Dienstag eröffneten Ausstellung im Oberen Belvedere. Zum 200. Geburtstag des Malers und Grafikers hat man sich hier zu einer kleinen und äußerst speziellen Ausstellung aufgeschwungen. Brigitte Hauptner versuchte, so viele Studien, Zeichnungen, Aquarelle wie möglich in den beiden Räumen im Erdgeschoß zusammenzutragen, die in Bezug zu Schwinds Opern-Ausstattung stehen. Bis auf drei Ausnahmen reisten die Exponate aus Deutschland, der Albertina und dem Wien Museum an. Warum die Österreichische Galerie gerade dieses, so hausfremde Thema gewählt hat? Man wollte das Jubiläum nicht einfach vorbeigehen lassen, erklärt Direktor Gerbert Frodl. Und Schwinds bekannten Melusine-Zyklus dürfe die Österreichische Galerie aus restauratorischen Gründen nicht permanent zeigen. Zuletzt war er im Jahr 2000 zu sehen.

Also, die spätromantische Opern-Ausstattung. Nach einer Intervention von Schwind beim Kaiser wurde er auch mit den Komponisten-Lünetten für das Foyer beauftragt: "Statt dieses Dittersdorf" vermerkte Franz Joseph handschriftlich am Akt. Eine Intrige, die man vor dem Hintergrund der lebenslangen Musik-Begeisterung Schwinds verstehen muss. In seiner Jugend zählte er zum engsten Kreis um Schubert, in seinem Haus - "Schwindien" nannte es der Komponist - fand so manch Schubertiade statt.

Durch Schubert fand Schwind zur Musik, vor allem zu Mozart, vor allem zur "Zauberflöte". Diese akribische, die Genres überschreitende Hingabe ist in der Ausstellung zu spüren, jahrzehntelang hat er sich an der Königin der Nacht, an Tamino und Pamina, an Papageno und Papagena abgearbeitet. Die Fresken der Staatsopern-Loggia sind Höhepunkt dieser Leidenschaft. Und Endpunkt. Drei Jahre nach Vollendung starb Schwind beim Starnberger See. Von seinem Ruhm zeugt im Belvedere noch der Kopf seines Denkmals. Das Einzige, was von der 1945 zerstörten Statue, die vor dem Kunsthistorischen Museum stand, übrig blieb.

Bis 26. September, Di.-So. 10-18 Uhr.

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