Das Bernhard-Ensemble versucht sich am schwarzen Humor und scheitert am Tod. Einzige Überlebende: Grischka Voss.
Schon lange nichts mehr gehört vom Bernhard-Ensemble. Dabei gaben die Ausnahme-Produktionen "Elisabetta", "Hain" und "Das Kistenmädchen" so viel Hoffnung. Grischka Voss und Ernst Kurt Weigel avancierten mit ihrer Truppe für kurze Zeit vom Geheimtipp zum feinen Star der Wiener Off-Szene - was an sich keine große Kunst ist. Und jetzt? Jetzt trifft man sie wieder, in einer überdimensionalen Zigarettenschachtel, weiß mit Trauerrand, no Logo. Beklebt mit "PS"-Pickerln sitzt man im Projektraum des WUK, wartet, fürchtet sich ein bisschen vor interaktivem Theater. Ohne Grund, wie sich herausstellen sollte. Es wird schlimmer. Es wird mittelmäßig.
Immerhin, man muss es nicht als kollektives Postskriptum aussitzen. Das "PS" auf der Brust soll uns als "Potenzielle Selbstmörder" nach vorne schieben. Mitten in ein Seminar, das auf ein Leben nach dem Freitod vorbereiten soll. Und dieses spielt sich in der Zwischenstation Tschick-Packerl ab. Eigentlich poetisch: Steckt sich ein Lebender eine an, darf die Selbstmörder-Seele sich mit dem Rauch wieder auf die Erde pusten lassen. Das Problem: Die Seelen aus Voss' "Ab und zu kleine Gemütsschwankungen" interessieren niemanden. Es sind zu viele. Die laute Gruftie-Braut und die tschetschenische Lebensmüde (Daniela Kong), der vergessene Norbert und der muslimische Selbstmordattentäter (Kajetan Dick), das autistische Kind und die frustrierte Karriere-Tussi (Barbara Krahofer), der Alzheimer-Typ (Klaus Haberl), der Geriatrie-Flüchtling (Weigel), die "Twin-Tower-Hüpfer" Doug, Debbie und so weiter. Ein Wust an Schicksalen, die zur Tragödie nicht reif genug sind und als Komödie nicht schnell genug.
Neben Barbara Krahofers gekonnter Hysterie bleibt nur Grischka Voss in Erinnerung als die - wie einem Marlen-Haushofer-Gedanken entsprungene - Hausfrau-Killerin Dietlinde und, mit perfekt einstudiertem russischen Akzent, als zynischer Zerberus Marilyn. Zynisch ist dieses Talent auch für das Bernhard-Ensemble: Seine Gründerin spielt sie alle an die Wand. "Die unerbittliche Wahrheit pfeift durchs Fleisch bis auf die Knochen", wirbelt sich schon Voss/Dietlinde durch ihren atemlosen Monolog. Ab und zu ein wenig weniger, von Affekt und Aktion, hätte Schauspieler, Regie, vor allem aber das Skript vor dem kreativen Freitod retten können. Das Wichtigste aber: Das Bernhard Ensemble spielt immer noch. Ohne Subventionen. Schicksal als Chance? Das ist wirklich zynisch.