Spitzenforschung

Gesucht: Exzellente Wissenschaftlerinnen für Österreich

Frauen in der Forschung fördern - nicht nur am Weltfrauentag.
Frauen in der Forschung fördern - nicht nur am Weltfrauentag.Imago / Gustafsson
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Der Wissenschaftsfonds FWF stellt die österreichische Forschungsförderung um. Mit den neuen Astra-Preisen werden mehr Forscher und Forscherinnen gefördert, die einzelne Dotation sinkt aber. Schwachstellen der bisherigen Fördertöpfe sollen überwunden werden.

„Wir wollen mithelfen, die gläserne Decke zu durchbrechen.“ Mit dieser Feststellung hebt der Präsident des Wissenschaftsfonds FWF, Christof Gattringer, eines der Motive für die Schaffung einer neuen Schiene in der Forschungsförderung hervor. Im Vorfeld des internationalen Frauentags präsentierten Gattringer und die für die FWF-Karriereprogramme zuständige Barbara Zimmermann das neu aufgestellte Förderprogramm, das Wissenschaftlerinnen gegenüber ihren männlichen Kollegen gleichstellt bzw. bevorzugt.

»Und immer
wieder muss man es ganz deutlich sagen: Exzellenz ist – auch – weiblich.«

Barbara Zimmermann,

Leiterin Strategie/Karriere (FWF) 

Es wird ab der Vergabe im Herbst gleich um die Hälfte mehr Fördermittel und zugleich mehr genehmigte Anträge geben, allerdings wird die Höhe der Spitzenförderungen im Vergleich zu den bisherigen Start-Preisen sinken. Die neue Karriereförderung mit dem Namen Astra (Advanced-Stage Research Award) löst die bisherigen Förderungen ab, die über die Start-Preise und das den Frauen vorbehaltene Elise-Richter-Programm vergeben wurden. Die Start-Preise waren bei einer Laufzeit von fünf Jahren mit bis zu 1,2 Millionen Euro dotiert, im Richter-Programm gab es bei einer Laufzeit von ein bis vier Jahren durchschnittlich 300.000 Euro pro Projekt. Die Schwachstellen der beiden Schienen werden nun, so FWF-Präsident Gattringer, beseitigt.

18 Mal eine Million Euro

So waren etwa bei der Start-Schiene männliche Wissenschaftler mit zwei Drittel der Anträge deutlich überrepräsentiert. Außerdem stiegen die Antragszahlen deutlich an, zuletzt im Vorjahr auf 126. Die Bewilligung blieb aber mit sechs bis maximal acht gleich, es mussten also immer mehr und auch gute Bewerberinnen und Bewerber abgewiesen werden. Der Schwerpunkt der Themen lag zu sehr bei Mathematik, Physik und technischen Richtungen. Anders beim Elise-Richter-Programm. Die Anträge der Wissenschaftlerinnen brachen in den vergangenen Jahren um mehr als die Hälfte auf 35 (Jahr 2023) ein. Zudem hat sich diese Förderschiene nach Ansicht des FWF zu sehr in die geistes- und sozialwissenschaftliche Richtung hin entwickelt. Gattringer: „Beide Programme sind in die Jahre gekommen.“

Bei Astra werden nun pro Jahr 18 Förderungen vergeben, die Höchstsumme beträgt eine Million Euro. Angesichts gestiegener Ausgaben für Geräte oder Bezahlung einiger wissenschaftlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist dies deutlich weniger als der Start-Preis. Nach der neuen Richtlinie muss die Hälfte der Vergaben auf Frauen entfallen. „Immer wieder muss man es ganz deutlich sagen: Exzellenz ist – auch – weiblich. Bei der Qualität der zu bewilligenden Anträge macht der FWF keine Abstriche“, betont Zimmermann. „Das Förderprinzip ist einfach: Bei gleicher Qualität und Qualifikation werden Frauen bevorzugt gefördert.“

Wissenschaftlerinnen können zudem das neue Tenure-Paket erhalten. Wenn die jeweilige Forschungsinstitution der Wissenschaftlerin bis spätestens drei Jahre nach Projektbeginn eine Tenure-Tack-Position mit einer Qualifizierungsvereinbarung vergibt, dann erhöht sich das Projektvolumen zu der maximal einen Million um 200.000 Euro pro Person. Die Bewerbung folgt einem mehrstufigen Prozedere. Laut Ausschreibungstext richtet sich Astra an fortgeschrittene Postdocs in Österreich (Established Researcher „R3“), denen der Sprung an die Spitze ihres Forschungsfelds ermöglicht werden soll. Die Antragsstellung ist mindestens vier, maximal acht Jahre nach dem Doktorat möglich und soll den Weg zu einer Professorenberufung an einer Universität ebnen. Personen mit einer permanenten Anstellung sind von einer Einreichung ausgeschlossen.

Erster Schritt der Antragstellung ist die internationale Begutachtung. Das FWF-Kuratorium erstellt eine Shortlist (25 Namen), die einer 15-köpfigen internationalen Jury übermittelt wird. Um eine einseitige Fachzuteilung zu vermeiden, ist für disziplinäre Ausgewogenheit der Mitglieder gesorgt.

450.000 Euro für Shortlist-Platz

Die Entscheidung der Jury muss noch vom FWF-Kuratorium genehmigt werden. Jene Forschenden, die zwar für die Shortlist nominiert sind, aber am Ende nicht von der ASTRA-Jury ausgewählt werden, können auf eine Einzelprojektförderung in der Höhe von 450.000 Euro zurückgreifen. Somit gewährleistet bereits die Shortlist-Nominierung eine Projektfinanzierung durch den FWF.

»Die Schwachstellen der beiden Schienen werden nun beseitigt.«

Christof Gattringer,

FWF-Präsident

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