Russland

Dorf erobert? Russische Anti-Putin-Einheiten starten von Ukraine aus Angriffe

Ein ukrainischer Soldat in seiner Stellung im Osten des Landes. Nun sollen erneut auch bewaffnete russische Gruppen auf der Seite Kiews eingegriffen haben.
Ein ukrainischer Soldat in seiner Stellung im Osten des Landes. Nun sollen erneut auch bewaffnete russische Gruppen auf der Seite Kiews eingegriffen haben.Imago / Madeleine Kelly
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Die bewaffneten Kreml-feindlichen Gruppen „Legion der Freiheit für Russland“ und das „Sibirische Bataillon“ haben nach eigenen Angaben Attacken in der Region Kursk durchgeführt. Russland schlägt mit Artillerie und der Luftwaffe zurück.

Mindestens zwei bewaffnete russische Anti-Putin-Einheiten haben nach eigenen Angaben am Dienstag von der Ukraine aus Angriffe in Russland durchgeführt. Es handelt sich um die „Legion Freiheit für Russland“ und das „Sibirische Bataillon“, die diese Angaben über Soziale Medien machten. Sie setzen sich demnach aus Russen zusammen, die gegen Kremlchef Wladimir Putin kämpfen. Die Kämpfer behaupten, eine grenznahe Ortschaft erobert zu haben. „Das Dorf Tjotkino in der Region Kursk wird vollständig von den russischen Befreiungskräften kontrolliert“, erklärte die Miliz „Freiheit für Russland“ in Onlinediensten. Die Angaben ließen sich zunächst nicht überprüfen.

Der in der Ukraine lebende Ex-Abgeordnete der russischen Duma, Ilja Ponomarjow, berichtete auf Telegram, dass auch der Weiler Losowaja Rudka im Belgoroder Gebiet unter Kontrolle der Putin-Gegner sein soll. Dazu wurden Videos unter anderem von einem Panzer in einem Dorf gezeigt. In ihren Videobotschaften riefen die vermummten Kämpfer in ukrainischen Uniformen dazu auf, die Präsidentschaftswahl in Russland am kommenden Sonntag zu ignorieren.

Gouverneur von Kursk bestätigt Angriff

Bereits zuvor hatte die Miliz „Legion Freiheit für Russland“ auf Telegram erklärt, ihre Kämpfer hätten in der Ortschaft Tjotkino in der Region Kursk ein gepanzertes russisches Militärfahrzeug zerstört. Der Gouverneur von Kursk, Roman Starowoit, bestätigte den Angriff und meldete einen Leichtverletzten, bestritt aber jeglichen „Durchbruch“ der Angreifer.

Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte seinerseits mit, mehrere Angriffe Bewaffneter aus der Ukraine seien zurückgeschlagen worden. Auch der „versuchte Angriff“ auf Tjotkino sei gescheitert. Die „Sabotagetrupps“ aus der Ukraine hätten in der Nacht grenznahe Dörfer beschossen, hieß es aus dem Ministerium weiter. Dann seien sie an drei Stellen im Gebiet Belgorod mit Panzern und gepanzerten Fahrzeugen vorgerückt. Auch die russischen Militärangaben waren nicht unabhängig überprüfbar.

Schulen in der russischen Stadt Kursk stellen einem Medienbericht zufolge jedenfalls auf Online-Unterricht um. Das meldet die russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf lokale Behörden. Kursk liegt 90 km von der ukrainischen Grenze entfernt.

Der Sprecher des ukrainischen Militärgeheimdienstes, Andrij Jussow, betonte gegenüber Kiewer Medien, dass die Einheiten ausschließlich aus russischen Staatsbürgern bestünden. „Auf dem Gebiet der Russischen Föderation handeln sie absolut autonom, selbstständig und setzen ihr gesellschaftlich-politisches Programm um“, sagte der Geheimdienstvertreter dem Internetportal „Ukrajinska Prawda“.

Präsidentschaftswahl in Russland am Sonntag

Hintergrund ist die für kommenden Sonntag in Russland geplante Präsidentschaftswahl. Amtsinhaber Wladimir Putin beabsichtigt, sich für weitere sechs Jahre bestätigen zu lassen. Im Frühjahr 2023 waren mehrere Versuche russischer Putin-Gegner gescheitert, sich im russisch-ukrainischen Grenzgebiet festzusetzen. Die Ukraine wehrt seit über zwei Jahren eine russische Invasion ab. (APA/Reuters)

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