Pizzicato

Im Palazzo des Cavaliere

Die Auslandspresse in Rom zieht ausgerechnet in Silvio Berlusconis frühere Residenz samt Fluchttür im Schrank ein. Eine Ironie der Geschichte. Fehlt nur der Segen des Papstes.

Wäre Silvio Berlusconi noch unter den Irdischen, er hätte sich zum „grandiosen“ Wahlsieg seines Amico im Kreml mit einer Gratulation eingestellt – und mit einer Kiste Brunello als Zeichen der Wertschätzung. Schließlich hatte ihn Wladimir Putin zum Geburtstag mit einer Schachtel mit russischem Wodka bedacht. Dass westliche Staats- und Regierungschefs es an „Ehrerbietung“ vermissen lassen und die Wiederwahl des russischen Präsidenten ignorieren, hätte den Cavaliere auf die Palme getrieben.

Für die Pressemeute wäre es ein gefundenes Fressen gewesen. Italiens langjähriger Premier hatte ihr jede Menge Stoff geliefert, und viele Stunden hatten die Reporter seinen Palazzo belagert – so sehr, dass in einem Schrank seiner früheren Residenz in Rom eine geheime Tür eingebaut war, die ihm einen Fluchtweg öffnete.

Was hätte Berlusconi davon gehalten, dass nun just der Verband der Auslandspresse aus der Nähe des Trevi-Brunnens in den Palazzo Grazioli – sein ehemaliges Domizil – zieht? Für ihn „ein Haufen von Kommunisten“, wie Premierministerin Giorgia Meloni scherzte. Eine Ironie der Geschichte? Eine späte Rache? Was für eine Pointe! Wie ein Triumph über den Berlusconismus mutet es an, dass Präsident Sergio Mattarella das Zentrum einweiht. Fehlt nur der Segen des Papstes, der quasi einen Exorzismus betriebe. Es ist der Lauf der Dinge, dass es dem Putinismus dereinst auch so ergehen wird.

E-Mails an: thomas.vieregge@diepresse.com

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