Angriff in Gaza

World-Central-Kitchen-Gründer: „Sie wurden systematisch Auto für Auto angegriffen“

 Sieben Mitarbeiter kamen bei dem israelischen Luftangriff auf den Konvoi der World Central Kitchen ums Leben. 
 Sieben Mitarbeiter kamen bei dem israelischen Luftangriff auf den Konvoi der World Central Kitchen ums Leben. YASSER QUDIHE
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Koch und WCK-Gründer José Andrés spricht über die israelischen Angriffe, bei denen Mitarbeiter seiner Hilfsorganisation World Central Kitchen in Gaza getötet wurden. Diese hätten sich nach dem ersten Drohnentreffer ins zweite Auto gerettet und schließlich ins dritte, bevor eine weitere Explosion sie tötete.

Der Chefkoch José Andrés, Gründer der Hilfsorganisation World Central Kitchen, beschrieb in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch den verheerenden Angriff im Gazastreifen in dieser Woche. Sieben seiner Mitarbeiter kamen bei dem israelischen Luftangriff auf den Konvoi der WCK ums Leben.

Die nach den Worten von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu „unbeabsichtigten“ Luftangriffe fanden in einem Gebiet statt, das vom israelischen Militär überwacht wird, sagte Andrés. „Das Team kam aus einem Lagerhaus ... im Süden des Gazastreifens und gab alle Lebensmittel ab, die sie herunterladen konnten, bevor es zu dunkel wurde“, sagte Andrés gegenüber Reuters. Die sieben seien in einem Konvoi bestehend aus drei Autos unterwegs gewesen, zwei gepanzerte und ein ungepanzertes Fahrzeug. Als die mit Sprengstoff bestückten Drohnen einschlugen, befand sich der Konvoi in einem Bereich, den Andrés als „eine Art Sicherheitszone“ bezeichnete.

Seine NGO World Central Kitchen habe erst gemerkt, dass etwas nicht stimmte, als sie die sieben Personen vor Ort nicht mehr erreichen konnten. „Irgendwie haben wir die Kommunikation verloren“, sagte er. „Dann bekamen wir die Information, dass etwas schiefgelaufen war, dass etwas passiert war. Und da habe ich erfahren, dass unser Team angegriffen wurde“.

»Sie wussten, dass es unser Team war, das sich mit drei Autos auf dieser Straße bewegte.«

José Andrés

Gründer der NGO World Central Kitchen

Darüber, dass er womöglich von offiziellen Stellen über den Angriff informiert geworden wäre, sagte Andrés nichts. Stattdessen wurde es „sehr offensichtlich, als wir anfingen, Bilder der Leichen und der Pässe im Krankenhaus zu sehen, dass es unsere Leute waren“.

Unter den sieben Toten waren ein Australier, ein britischer Staatsbürger und ein Amerikaner. Fotos des Anschlags, der zerstörten und als NGO-Fahrzeuge gekennzeichneten Autos und der getöteten Menschen kursierten schnell im Internet. „Sie wurden systematisch Auto für Auto angegriffen“, sagte Andrés. Seiner Ansicht nach habe es mehr als drei Angriffe durch Drohnen gegeben.

WCK-Gründer José Andrés zeigte sich im Videointerview mit der Nachrichtenagentur Reuters. sichtlich gezeichnet von den Vorkommnissen im Gazastreifen.
WCK-Gründer José Andrés zeigte sich im Videointerview mit der Nachrichtenagentur Reuters. sichtlich gezeichnet von den Vorkommnissen im Gazastreifen.Reuters / Reuters Tv

„Sie griffen das erste Auto an ... Wir haben das Gefühl, dass sie sicher entkommen konnten, weil es ein gepanzertes Fahrzeug war“, sagte er. Die Menschen im ersten Auto „konnten sich in das zweite Auto begeben. Auch dieser wurde getroffen. Sie konnten in den dritten Wagen umsteigen.“ In diesen chaotischen Momenten hätten die WCK-Mitarbeiter versucht, die israelischen Verteidigungskräfte telefonisch zu erreichen. Das Gebiet wurde vom israelischen Militär kontrolliert, sagte er. Sie wussten, „dass es unser Team war, das sich mit drei Autos auf dieser Straße bewegte“. Und dann trafen sie das dritte Auto, sagte er, „und wir sahen die Folgen davon“.

In 175 Tagen über 42 Millionen Mahlzeiten verteilt

Die in den USA ansässige Nichtregierungsorganisation WCK wurde 2010 nach dem schweren Erdbeben in Haiti von dem Sternekoch Jose Andrés und seiner Frau Patricia gegründet, um den Überlebenden zunächst Nahrungsmittelsoforthilfe zu leisten. Die Organisation wuchs daraufhin weiter und bietet mittlerweile auch Trainings zur Widerstandsfähigkeit, Mahlzeiten und Unterstützung für Überlebende anderer Naturkatastrophen sowie für Flüchtlinge und Menschen, die von Konflikten betroffen sind. Seit dem Einmarsch Russlands in der Ukraine im Jahr 2022 hat das WCK auch in der Ukraine Millionen von Mahlzeiten ausgegeben.

Archivbild vom 26. März 2022: US-Präsident Joe Biden besuchte José Andrés‘ WCK-Stand im Nationalstadion von Warschau, als Tausende ukrainische Flüchtlinge in Polen Zuflucht suchten.
Archivbild vom 26. März 2022: US-Präsident Joe Biden besuchte José Andrés‘ WCK-Stand im Nationalstadion von Warschau, als Tausende ukrainische Flüchtlinge in Polen Zuflucht suchten.Reuters / Evelyn Hockstein

Im März war das WCK an der ersten Hilfslieferung für den Gazastreifen beteiligt, die über einen Seekorridor von Zypern aus erfolgte. Eine zweite WCK-Seefracht mit 332 Tonnen Lebensmitteln sollte Anfang dieser Woche in Gaza eintreffen. Nach eigenen Angaben vom vergangenen Monat hat die Organisation in 175 Tagen über 42 Millionen Mahlzeiten verteilt. Die UN haben wiederholt vor einer sich anbahnenden humanitären Krise gewarnt, weil die Bevölkerung im Gazastreifen von der Versorgung mit lebenswichtigen Gütern abgeschnitten ist.

Der WCK-Gründer Andrés ist ein spanisch-amerikanischer Promi-Koch, Gastwirt und Kochbuchautor. Sein Restaurant „minibar by José Andrés“ in Washington, D.C., hat zwei Michelin-Sterne. Im Jahr 2015 wurde er von Präsident Barack Obama mit der National Humanities Medal ausgezeichnet. (Reuters/Red.)

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