EM-Qualifikation

ÖFB-Frauen gegen Deutschland: „Einer der bittersten Fußballabende“

Torfrau Manuela Zinsberger.
Torfrau Manuela Zinsberger. APA
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Österreichs Nationalteam freut sich über eine starke Leistung gegen Deutschland, steht aber ohne Zählbares da.

Noch deutlich näher dran an einer Sensation als beim EM-Viertelfinale 2022, aber wieder eine Niederlage: Österreichs Frauen-Fußball-Nationalteam hat sich am Freitag beim Start in die EM-Qualifikation über eine starke Leistung gegen Deutschland freuen dürfen, mit einem 2:3 in Linz gab es allerdings einmal mehr gegen den Rekord-Europameister nichts Zählbares. „Es ist einer der bittersten Fußballabende für mich als Teamchefin“, betonte Irene Fuhrmann.

Das ist nachvollziehbar. Eileen Campbell sorgte mit einem Blitz-Doppelpack (9., 16.) für einen Start wie im Bilderbuch und hätte, wäre sie in einer weiteren Aktion nicht ausgerutscht, möglicherweise einen dritten Treffer nachlegen können. Über den jubelten am Ende allerdings die Deutschen nach einem äußerst umstrittenen und von Kapitän Giulia Gwinn verwandelten Elfmeter (63.), nachdem zuvor Klara Bühl mit zwei Treffern (39., 49.) den Ausgleich fixiert hatte.

„Ich finde es sehr schade, dass wir uns für diese Leistung, vor allem in der ersten Hälfte, nicht belohnen konnten. Ich bin der Meinung, dass wir uns zumindest ein Unentschieden verdient hätten“, resümiere Fuhrmann. Mit starkem Pressing, Zweikampfstärke, aber auch Spielfreude sorgte ihr Team für einen doch unerwarteten Spielverlauf. „Wir waren in gewissen Phasen überragend. Wir sind immer noch Österreich, dahingehend war es faszinierend, wie präsent wir waren“, sagte die 43-Jährige.

Bei den Deutschen war das Gegenteil der Fall. „Da muss jede Spielerin hinterfragen, wo der Kopf war“, verlautete Bühl. Laut Gwinn sei allen klar gewesen, dass man aufwachen müsse. „Wir haben die Anfangsphase total verschlafen. Österreich hat es aber auch gut gemacht“, meinte die Matchwinnerin. Wie beim 0:2 in Brentford im zuvor einzigen Pflichtspiel gegen die Nummer fünf der Welt war der Favorit effektiver. „Sie haben mit den ersten beiden Schüssen zwei Tore gemacht, waren brutal effektiv, das macht die Qualität eines Teams aus. Wir müssen uns ankreiden, dass wir nicht schlau genug waren. Das tut einfach weh“, sagte Fuhrmann.

Hinzu kam fehlendes Spielglück. Laura Freigang hakte in der 62. Minute im Strafraum bei der am Boden sitzenden ÖFB-Torfrau Manuela Zinsberger ein und wurde sehr zum Ärger des Großteils der 7.500 Fans mit einem Strafstoß belohnt. „Aus meiner Sicht würde ich sagen kein Elfmeter. Ich habe sie nicht berührt“, schilderte die Arsenal-Legionärin ihre Sicht. Fuhrmann sprach von einer „sehr harten“ Entscheidung. Auch DFB-Teamchef Horst Hrubesch sah es ähnlich. „Den Elfmeter muss man nicht unbedingt geben, sage ich jetzt einmal einfach“, verlautete der Ex-Trainer der Wiener Austria und des FC Tirol.

Das ÖFB-Wechselbad der Gefühle endete dadurch mit keinem Happy End. Dementsprechend überwog bei den Heimischen die Enttäuschung, einen historischen Erfolg über die laut Sarah Puntigam „große Schwester“ verpasst zu haben. „Wenn du 2:0 gegen Deutschland führst, dann tut es einfach weh, mit null Punkten rauszugehen. So eine Führung dürfen wir so nicht hergeben“, meinte die ÖFB-Kapitänin. Besonders ärgerlich war das für Campbell, die mit ihren zwei Toren in der Anfangsphase geglänzt hatte.

Treffer Nummer eins war die Belohnung für eine enorme Willensleistung, keine zehn Minuten später stellte die Freiburg-Stürmerin ihre Kopfballstärke eindrucksvoll unter Beweis. Sie erlebte laut eigenen Angaben eine „ein bisschen surreale“ Anfangsphase. Ihren Status als Nummer-eins-Stürmerin hätte sie nicht besser untermauern können, nach 14 Länderspielen stehen bei der Vorarlbergerin schon sechs Tore zu Buche. Zweifache Torschützin gegen Deutschland auf der Visitenkarte, sei ganz in Ordnung. „Ich habe meine Aufgabe als Stürmerin gut gemacht, das ist vielleicht ein bisschen ein Trost, aber am Ende des Tages überwiegt die Trauer, dass wir gar keinen Punkt mitgenommen haben.“

Nachgeholt werden soll das am Dienstag in Gdynia gegen das ebenfalls punktlose Gruppe-A4-Schlusslicht Polen. „Wir nehmen mehr Positives mit als Negatives“, betonte die Doppel-Torschützin. Auf die extrem gute Leistung in der ersten Hälfte könne man aufbauen und dadurch viel Selbstvertrauen mitnehmen. „Wenn wir die nächsten Spiele so spielen, bin ich mir sicher, dass wir unser Ziel in der EM-Quali erreichen werden.“

Zum Abschluss wartet dabei am 16. Juli in der sechsten Partie das Gastspiel in Deutschland. „Wir haben gezeigt, dass wir gegen so einen Gegner super spielen können. Im Rückspiel holen wir uns dann die drei Punkte“, kündigte Puntigam an. Sie stand als eine von fünf Ex-Deutschland-Legionärinnen in der ÖFB-Startelf. Die sechs restlichen Akteurinnen verdienen aktuell ihr Geld in der deutschen Bundesliga. „Das war natürlich ein zusätzlicher Antrieb“, gab Campbell zu Protokoll. (APA)

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