Hausgeschichte

Wo Falco wieder Hansi Hölzel sein konnte

Aus dem Studio führt die Terrassentür direkt in den 4000 Quadratmeter großen Garten der Falco-Villa.
Aus dem Studio führt die Terrassentür direkt in den 4000 Quadratmeter großen Garten der Falco-Villa.Falco-Privatstiftung
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Die Sommerfrischevilla in Gars am Kamp war ein Rückzugsort des Popstars. Hier geben sich Ringstraßenflair und Jugendstil die Hand – garniert mit unerwartetem Stilmix.

Türkise Sofas mit Blümchenmuster und ein grünes Lederfauteuil. Dahinter schwere lachsfarbige Vorhänge, ein antiker Schreibtisch und eine Eckkommode mit „Der große Brockhaus in einem Band“: Das Wohnzimmer von Falco in seiner Villa erinnert auf den ersten Blick eher an einen Biedermann und nicht an den für seine Exaltiertheit und Exzesse bekannten Ausnahmekünstler. Doch da, zwischen der Kommode und dem Schreibtisch, steht sie: die fast lebensgroße Statue des Kommissars mit Hut und Trenchcoat aus dem gleichnamigen Song. Im Rücken eingelassen eine goldene Schallplatte.

Ein Blumensofa, Lachsvorhänge und eine Statue zieren das Wohnzimmer.
Ein Blumensofa, Lachsvorhänge und eine Statue zieren das Wohnzimmer.Falco-Privatstiftung

Die Küche, geziert von alten Meinl-Plakaten, sowie die im Obergeschoß befindlichen Schlafzimmer, die Hansi Hölzel und seine Mutter, Maria, bewohnten, könnten als solche in vielen Häusern zu finden sein. Würden da nicht im Vorraum die Bühnenkostüme und Lederjacken des Falken hängen, die Koffer und sauber geputzten Cowboystiefel im Schrank hinter Glas stehen.

Die Küche: herkömmlich.
Die Küche: herkömmlich.Falco-Privatstiftung

Im Tonstudio: Gitarren, ein Bräunungsgerät und eine Lampe mit magischem Effekt

„Hansi war sehr pedantisch“, erzählt Wolfgang Kosmata von der Falco-Privatstiftung, in deren Besitz sich das rund 300 Quadratmeter große Haus nun befindet. Seit Kurzem ist es auch für Besucher und Besucherinnen geöffnet. Immer präsenter wird der Popstar auf dem Weg ins Untergeschoß, wo dieser sein Studio eingerichtet hat. Hier ziert ein Dankschreiben von Tina Turner die Wand, Gitarre reiht sich an Gitarre, Goldene und Platin-Schallplatten erinnern an den Erfolg des Künstlers. Auf der anderen Seite schließlich das technische Equipment, daneben ein Bräunungsgerät und eine dreiarmige Stehlampe. Mit magischem Effekt. „Manchmal schaltet sich die Lampe auf einmal ein. Keiner weiß, warum, wir haben sie schon vom Elektriker untersuchen lassen“, erzählt der Künstlermanager.

Das Studio im Untergeschoß.
Das Studio im Untergeschoß.Falco-Privatstiftung

Die ursprünglich im Historismus gestaltete und später um Jugendstilelemente bereicherte Villa mit 4000 Quadratmeter großem Garten wurde 1895/96 im Auftrag der Wienerin ­Eugenia Holzwarth als Aufenthalts­ort für ihre Sommerfrische errichtet und 1903 als „Holzwarth-Villa“ erstmalig verkauft. Im Sommer 1917 erwarb der Wiener Fabrikant Adolf Adam das Gebäude.

Das schließlich 1987 von Falco gekauft und nach seinen Vorstellungen umgestaltet wurde. „Im Inneren wurden ein paar Mauern entfernt, andere neu aufgezogen“, berichtet Kosmata. Auch ein Zubau, in dem unten das erwähnte Studio und oben eine großzügige Terrasse untergebracht sind, wurde errichtet. Apropos Jugendstil: Falco schätzte diesen ebenfalls, wie die Essgruppe in der Küche und zahlreiche Lampen und Leuchten zeigen. Daneben finden sich im Haus Möbel aus Biedermeier und Barock, ergänzt von damals zeitgemäßen Stücken.

Das Kamptal als Rückzugsort

Falco und die früheren Eigentümer der gelben Villa waren jedoch nicht die Einzigen, die die Gemeinde im Kamptal als Rückzugsort schätzten. Mit der Eröffnung der Kamptalbahn im Jahr 1889 zog es immer mehr Wiener nach Gars, um hier für mehrere Wochen der sommerlichen Hitze in Wien zu entfliehen. Zahlreiche Jahrhundertwendevillen, die wohlhabende Bürger errichten lie­ßen, zeugen davon.

So gehörte beispielsweise eines der Häuser neben der Falco-Villa von 1910 bis 1940 den Eltern des Filmregisseurs Fritz Lang. Auch der Komponist Franz von Suppè schätzte das Kamptal: Er erwarb zwei alte Bauernhäuser und ließ sie zu einem Landhaus, dem Sophienheim, mit einem rund 9000 Quadratmeter großen Garten umbauen. Doch es war nicht das Klima allein, dass Falco an Gars schätzte, wie Kosmata erzählt: „Hier konnte er wieder ganz Hansi Hölzel sein.

Zum Ort, zum Objekt

Die Marktgemeinde Gars am Kamp liegt im Waldviertel im Bezirk Horn (NÖ) und teilt sich in 14 Katastralgemeinden mit 3551 Einwohnern. Im elften Jahrhundert nahmen die Babenberger die Region um Gars ein und errichteten die Garser Burg. Markgraf Leopold II. verlegte seine Residenz dorthin, sie diente als Zentrum der Landnahme nördlich der Donau. Als Markt wurde Gars 1279 erstmals urkundlich erwähnt. Die Falco-Villa steht in der Horner Straße 214. Seit Frühjahr 2024 sind dort wieder Führungen möglich.

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