Kritik Salzburg: Sessel für Mozarts Seele

Am Samstag wurde in Salzburg "The Spirit of Mozart" enthüllt.

Vor sieben Jahren schabte sie einen Berg Knochen ab, im Jugoslawien-Pavillon bei der 47. Biennale Venedig. Für die bedrückende Performance "Balkan Barroque" erhielt Marina Abramovic damals den Goldenen Löwen. Doch ihr Krieg scheint künstlerisch zu Ende. Am Samstag wurde in der Stadt Salzburg "The Spirit of Mozart" enthüllt. Eine "interaktive Skulptur" der fast schon legendären Performance- und Videokünstlerin, die 1946 in Belgrad geboren wurde, bei der documenta 6 und 7 teilnahm und seit Jahren in Amsterdam und New York lebt.

Diesmal also eine Skulptur? "Ich hasse Skulpturen", sagt Abramovic in einem Interview. Man kann ihr nur glauben. Noch dazu eine "interaktive"? Wer das Sitzen auf einem Sessel unbedingt so bezeichnen will . . . Denn viel mehr ist es nicht, das Kunst-Geschenk, das die "Salzburg Foundation" von Vizebürgermeister Karl Gollegger, der die Stadt innerhalb von zehn Jahren in einen international besetzten Skulpturen-Park verwandeln will, Salzburg in diesem Sommer beschert hat.

Nach Anselm Kiefers Schrein im Furtwängler-Park vor dem Festspielhaus (2002) und Mario Merz' digitaler Zahlen-Spinne am Mönchsberg (2003) sind es jetzt sieben stählerne Sessel und das schmale 15 Meter hohe Gerüst eines solchen. Ziemlich bescheiden haben die Möbel auf der umbrausten Verkehrsinsel am Ferdinand-Hanusch-Platz Aufstellung genommen.

Ein Platz der Meditation mitten im Lärm der Salzburger Welt - ein erschreckend frommer Gedanke der Abramovic, die uns auch nicht verschont mit der betulichen Aufforderung "Setze Dich auf den Stuhl / Schließe Deine Augen / Kehre in Dich / Verliere die Zeit". Und da sitzt man nun und starrt hinauf in den Regen und hinauf auf den hohlen Hochsitz, auf dem sich Mozarts Geist niederlassen soll. Ungemütlicher könnte er es sich fast nicht aussuchen.

Ein unattraktiverer Ort ist in Salzburg schwer zu finden. Da hilft es auch nicht viel, den "transitorischen" Aspekt des Werks zu betonen, der im Alltag wohl darin besteht, dass man bemüht ist, diese Straßenkreuzung so schnell wie möglich wieder zu verlassen.

Eine größere Bereicherung dieser schmucklosen Durchgangs-Zone wäre es gewesen, die geschmäcklerischen metallenen Windspiele zu entfernen, die einige Meter weiter am Salzach-Ufer reißerisch glänzen. Das kann man Abramovics Sesseln wenigstens nicht vorwerfen. Und so muss man weiter. Etwas enttäuscht. Die Ampel schaltet auf grün.


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