Literatur

Als der Arbeiterstaat Kinder raubte: ein verdrängtes Kapitel der DDR

Sein Roman „Maifliegenzeit“ wird derzeit heiß diskutiert: Matthias Jügler, geboren 1984 in Halle an der Saale.
Sein Roman „Maifliegenzeit“ wird derzeit heiß diskutiert: Matthias Jügler, geboren 1984 in Halle an der Saale.Foto: Michael Bader
  • Drucken

In „Maifliegenzeit“ erzählt Matthias Jügler ein verdrängtes DDR-Kapitel: Politisch Unliebsamen wurden die Kinder genommen und zur Adoption gegeben.

Der kleine Hans geht gern mit seinem Vater fischen, meistens an die Unstrut, einem eher trägen Nebenfluss der Saale im ostdeutschen Thüringen. Wenn sein Vater im Stil passionierter Angler mit der Natur eins wird, gibt er gelegentlich Lebensweisheiten von sich: „Wo die Ungewissheit endet, beginnt das Träumen“, erklärt er seinem Sohn. Ums Fischen geht­ es in Matthias Jüglers großartigem Roman „Maifliegenzeit“ ebenso wie um Väter und Söhne.

Eltern bekommen Kind nie zu Gesicht

Von seinem Vater erbt Hans die Leidenschaft für das Fischen, doch was ihm widerfährt, ist kein Traum, sondern ein Albtraum. Als Student lernt er in Jena in der früheren DDR Katrin kennen: „Als sie mich das erste Mal besuchen kam, brachte sie ihre Zahnbürste mit. Seitdem galten wir als unzertrennlich, und das waren wir auch, jedenfalls bis zu jenem Tag im Mai des Jahres 1978.“ An jenem Tag wird ihr Sohn Daniel durch Kaiserschnitt geboren. Statt das Neugeborene in den Arm zu bekommen, erhalten die Eltern kurz darauf eine niederschmetternde Nachricht: Ihr Kind ist nach der Geburt verstorben. Wir bedauern. Unterschreiben Sie hier. Daniel bekommen sie nie zu Gesicht.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.