Geschichte

Wendejahr 1989: Revolution in den Köpfen

17. 8. 1989. DDR-Bürger in Budapest studieren den Verlauf der grünen Grenze.
17. 8. 1989. DDR-Bürger in Budapest studieren den Verlauf der grünen Grenze.Wolfgang Kumm/DPA/picturedesk.com
  • Drucken

Wie war das wirklich damals, hinter dem Eisernen Vorhang? Wie hat sich alles entwickelt in den Köpfen? Ein gelungenes Geschichtspanorama über 1989.

In Wien hört man in der Nacht des Jahreswechsels den Donauwalzer, in Ungarn stimmen die Menschen ihre sanft klagende Nationalhymne an: „Gib dem Volk der Ungarn, Gott, / Frohsinn, Glück und Segen … / Ihm, das lange Schmach ertrug, / Schenke wieder Freuden, / Denn es büßte hart genug / Schuld für alle Zeiten.“ Das gehört zum Neujahrsritual. So war es auch am 1. Jänner 1989, um Punkt Mitternacht, fast überall im Land, das seit dem Kriegsende hinter dem Eisernen Vorhang eingesperrt war. „Glück und Segen“:  Man wird doch noch träumen dürfen.

War es ein Zufall, dass am selben Tag beim Wiener Neujahrskonzert Carlos Kleiber „Lang lebe der Ungar!“ dirigierte? Eine selten gespielte Schnellpolka, die Johann Strauß der „edlen ungarischen Nation“ widmete. Damals, 1870, galt es in Wien freilich als Provokation, das heikle Freiheitsthema anklingen zu lassen. Das war nun anders. Im Musikverein wurde gejubelt, nun richtete sich die ungarische Rebellion gegen ein anderes Joch, nicht das habsburgische, sondern das sowjetkommunistische.

Auch auf dem Budapester Heldenplatz rund um das Millenniumsdenkmal, errichtet zum Tausend-Jahr-Jubiläum der ungarischen Landnahme, wurde in der ersten Nacht des Jahres 1989 gesungen, dort, wo auf einer 36 Meter hohen, fragil wirkenden Säule eine Bronzestatue des Erzengels Gabriel in die Höhe ragt. Seit dem Jahr 1900 steht er hier, wie durch ein Wunder hat er die Bomben des Zweiten Weltkriegs überlebt. Die Statuen zu seinen Füßen wurden schwer getroffen, doch er hielt in der verwüsteten Stadt durch, mit Ungarns Krone und dem apostolischen Doppelkreuz in Händen.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.