"Aida": Abenteuerspielplatz Oper

Verdis "Aida" im Römer-Steinbruch St. Margarethen: ein Spektakel mit 400 Darstellern und zwei Elefanten.

Schon die Naturkulisse beeindruckt: Der Römer-Steinbruch in St. Marga rethen, mit 7000 Quadratmeter eine der größten Freiluftbühnen Europas, scheint mit seinen rauen Felsformationen für pompöse Opernaufführungen wie geschaffen. Und dass die "Aida" in der Inszenierung von Robert Herzl eine pompöse Angelegenheit werden würde, macht schon der Besetzungszettel klar: Zwei Elefanten (Miry und Betty vom Zirkus Crocofant aus Bad Tölz), 18 Pferde (von den Esterhazy Husaren Eisenstadt) und 400 Darsteller bevölkern beim Triumphmarsch im zweiten Akt die Bühne. Dieser hat Manfred Waba ausreichend ägyptisches Flair verliehen: mit einem riesigen Tutanchamun-Kopf, der sich teilt und einen Thron freigibt, Obelisken, Anubis-Statuen, Sphingen und Tempel-Toren, einer Pyramide mit drehbarer Spitze und anderem Brimborium. "Klotzen statt Kleckern" heißt wohl Wabas Devise, angesichts der Größe des Raumes, den er zu füllen hat, nicht die schlechteste.

Dazu kommen opulente Licht- und Feuerspiele: Das Bühnenbild wird immer wieder mit bunten Lichtern eingefärbt, Feuer flackern am oberen Rande des Steinbruchs, sich kreuzende Lichtstrahlen lassen am Himmel eine Art Zelt entstehen, und vor der Pause gibt es ein gigantisches Feuerwerk - ein wenig pathetisch das alles, aber durchaus eindrucksvoll.

Damit es nicht zu sehr ins Pompös-martialische abgleitet, streut der Regisseur hie und da eine Prise Sozialkritik ein: Nach dem Triumphmarsch werden zwei Darsteller an einem Seil eine Steilwand hinuntergelassen, auf dass sie zwei Fahnen entrollen. Und siehe da, sie sind blutrot gefärbt, nicht für jeden ist ein Triumph ein Triumph, das lernen wir daraus.

Akustisch sind die Voraussetzungen im Steinbruch für eine Opernaufführung sicher nicht die einfachsten. Über mehrere Lautsprecher sind Gesang, Chor (Nationaltheater Brünn) und Orchester (Nationaltheater Brünn unter der Leitung von Ernst Märzendorfer) in der Arena zu hören, wobei wahrscheinlich jeder der mehr als 4000 Zuhörer - je nach Sitzplatz - von einem anderen Klangerlebnis berichten kann. Bei den Sängern beeindruckten vor allem Emil Ivanov (als Radames - übrigens auch mit seinem Stuntman-reifen Absprung vom Elefanten), Igor Morosow (als Amonasro) und Eszter Sümegi (als Aida). Enttäuschend gerieten hingegen die Tanzeinlagen: Die Tänzerinnen in pseudo-ägyptische Bikinis zu stecken und auf der Bühne herumhopsen zu lassen genügt halt doch nicht, um eine biedere Choreografie aufzufrischen. Insgesamt aber ein unterhaltsamer Abend!

Noch bis 22. August, jeweils 20.30 Uhr. Karten unter 02680 2100 oder www.ofs.at.

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