Gartenkralle

Über die Grenze

Auch auf Wellen entscheiden Sekunden, ob man sie reiten wird oder mit ihnen fällt.
Auch auf Wellen entscheiden Sekunden, ob man sie reiten wird oder mit ihnen fällt. Woltron
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Ein, zwei Grad entscheiden über Leben und Tod, über Gedeih und Verderb. Doch wir sind umgeben von vielen solcher unsichtbaren oder sichtbaren Gratwanderungen, der Frost ist nur einer davon.

Ein früher Morgen in einer verrückten Woche im April. Es ist wolkenlos, stürmisch und das Außenthermometer zeigt 0,5 Grad. Immerhin. Kein Frost. Doch auf der Wiese nebenan glitzert Reif in der aufgehenden Sonne. Ein kalter Luftstrom fließt dort vom Berg herab und sorgt dafür, dass es da drüben, nur ein paar Meter weiter, immer einen Hauch kühler ist. Denn unsichtbare Luftflüsse umgeben uns allerorten und erst auf dem schmalen Grat zwischen Plus und Minus werden sie sichtbar. Wo die eisige Luft den Garten streift, oben beim Hühnerstall beispielsweise, erwischt sie gerade noch die Isabellatraube. Die hat eben ihre ersten zarten Blättchen getrieben, der Wein ist immer ein bisschen später dran als die meisten anderen Pflanzen. Doch diese Woche ist, wie gesagt, verrückt, und ich gehe jetzt nicht hinauf, um ihn zu begutachten. Wenn er angefroren ist, kann ich ohnehin nichts mehr für ihn tun.

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