Contra

Ein Konzert, Millionen umschlungen, verschlungen, hohe Kunst für alle, und alles gratis - das ist eine zu billige Masche, um unbefragt durchgelassen zu werden. Nach dem Event in Schönbrunn muss man aus der Warte des Feuilletons mit hochgezogener Braue sagen: So nicht, Herr Schüssel! Das Volk darf nicht für dumm verkauft werden. Dieses Häppchen-Konzert war nicht gratis. Das wäre so, als ob jemand behaupten würde, diese ORF-Übertragung der Belangsendung "Wir alle sind Europa und haben uns lieb" sei umsonst. Wahrscheinlich wird sie auf dem Küniglberg sogar unter der Rubrik "Bildungsauftrag" verbucht, und wir, die Gebührenzahler, kommen dafür auf, fast wie für Burg und Oper. McFerrin und die Philharmoniker, der Bundeskanzler und der Bundespräsident - das kostet, auch wenn es "nichts" kostet. Wer profitiert? Der Eindruck wurde nicht verhehlt, Schüssel bewerbe sich um ein hohes Amt in Brüssel.

Apropos Bildungsauftrag; Einsichten gab es schon an diesem Abend in ORF2. Dass es unser Staatsfernsehen versteht, Bilder eines grimmigen Dirigenten mit kitschigen Shots aus der Schönbrunner Landschaft zu mixen. Und zur Verdeutlichung dafür, wie ernst die Kunst sei, wurden immer wieder dienstbeflissen Politiker eingeblendet, die den Philharmonikern zusahen. Mit ernsten Mienen demonstrierten Gehrer, Bartenstein, Fischer, Schüssel etc., dass es beinahe ein Staatsakt ist, wenn man Ausschnitte aus einer Beethoven-Sinfonie anhört.

Nein, das war kein Gratiskonzert, sondern eine teure Beweihräucherung der Staatsspitze mittels Volksfest. Brot und Spiele lautete das Motto römischer Cäsaren, die das Volk manipulierten. Wien ist in dieser Hinsicht längst Rom, ob sich nun Stadtpolitiker bei Donauinsel-Festen herumtreiben, deren Ästhetik von der Aura von Backhendln und G'spritzten bestimmt wird, oder ob Staatssekretäre billig lächelnd auf Bahnhöfen herumstehen und den Eindruck zu erwecken versuchen, mit zweitklassiger Kunst lasse sich Europas Einheit herbeibeschwören. Auch das war teuer. Ein paar hunderttausend Euro hat unlängst die Europa-Aktion auf Bahnhöfen gekostet.

Nein, Kunst soll nicht gratis, sondern etwas wert sein. Sie wird durch derartige Promi-Events, die in Wien immer den Charakter einer Hetz haben müssen, geradezu entweiht. Wenn die Spaß-Gesellschaft meint, sich derartige Volksfeste leisten zu müssen, dann soll sie auch dafür zahlen - am Eingang von Schönbrunn, oder vorm Rathaus.

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