Malawi

„Katastrophe“: Dürre im südlichen Afrika bedroht Millionen Menschenleben

Ein ausgetrockneter Tümpel in Simbabwe.
Ein ausgetrockneter Tümpel in Simbabwe.APA / AFP / Zinyange Auntony
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Malawi, Sambia und Simbabwe haben wegen der Dürre Katastrophenzustand ausgerufen. Betroffen sind außerdem Angola, Botswana, Madagaskar, Mosambik und Namibia. „Durch El Niño wurde im südlichen Afrika eine Rekord-Trockenheit ausgelöst.“

„Bei der Situation in der Region handelt es sich nicht nur um einen Klimaschock, sondern eine humanitäre Katastrophe, die sofortiges Handeln erfordert“, sagte Chikwe Mbweeda, Länderdirektorin der Hilfsorganisation CARE in Sambia, am Montag bei einem Pressetermin. Malawi, Sambia und Simbabwe haben wegen der Dürre den nationalen Katastrophenzustand ausgerufen, Millionen Menschenleben sind bedroht. Betroffen sind außerdem Angola, Botswana, Madagaskar, Mosambik und Namibia.

„Durch El Niño wurde im südlichen Afrika eine Rekord-Trockenheit ausgelöst“, sagte Mbweeda. Regenfälle um den Jahreswechsel hätten an vielen Stellen Überflutungen ausgelöst, bei der große Bevölkerungsteile ihr Zuhause verloren haben und Schäden in der Infrastruktur entstanden sind. In vielen Regionen folgten darauf Hitzewellen und Wassermangel. „Aus diesen Gründen gab es vor allem in Malawi, Sambia und Simbabwe hohe Ernte- und Viehverluste, die gerade die Ärmsten in der Region am stärksten betreffen“, so Mbweeda.

Einer der fünf stärksten El Niños

El Niño ist ein Wetterphänomen, das durch eine Erwärmung des Oberflächenwassers im Pazifischen Ozean gekennzeichnet ist. Es tritt im Schnitt alle zwei bis sieben Jahre auf und dauert in der Regel neun bis zwölf Monate. El Niño kann die im Zuge des Klimawandels steigenden globalen Temperaturen zusätzlich erhöhen und zu verstärktem Extremwetter führen. Der aktuelle El Niño, der im Dezember seinen Höhepunkt erreicht hatte, ist nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) einer der fünf stärksten seit Beginn der Aufzeichnungen.

Die dadurch entstandenen Bevölkerungsbewegungen begünstigen außerdem die Ausbreitung von Krankheiten, erklärte Mbweeda. In Sambia, Simbabwe und Mosambik wurden etwa Cholera-Ausbrüche beobachtet - denn die Bevölkerung greife wegen dem Wassermangel auf verschmutzte Wasserquellen zurück. „Bis Mai wurden außerdem weiter überdurchschnittlich hohe Temperaturen vorhergesagt, was die Übertragung der Krankheiten weiter in die Höhe treiben könnte“, sagte Mbweeda. Die Krise habe zudem Frauen und Mädchen besonders betroffen: In Haushalten mit niedrigen Einkommen seien sie in Stresssituationen etwa einem erhöhtem Risiko von Gewalt ausgesetzt. Weiters würden bei der Schulbildung normalerweise Buben bevorzugt, weswegen viele Mädchen gerade in Krisensituationen von der Schule genommen werden.

Nahrungsmittelunsicherheit für 4,4 Millionen Menschen

In Malawi gebe es im Zusammenhang mit der Trockenheit eine schwere Nahrungsmittelunsicherheit von der 4,4 Millionen Menschen, also 22 Prozent der Bevölkerung, betroffen sind - eine Zahl, die laut Mbweeda im Steigen begriffen ist. Außerdem sei die Konsequenzen des Tropensturms „Freddy“ im März 2023 in Form von niedriger landwirtschaftlicher Produktion immer noch spürbar. Im benachbarten Sambia seien etwa 9,8 Millionen Menschen von die Auswirkungen der Trockenheit betroffen, 90 Prozent davon aus der stark von der Landwirtschaft abhängigen ländlichen Bevölkerung. Die Nahrungsmittelkrise habe außerdem zu Preiserhöhungen von bis 45 Prozent geführt, so Mbweeda weiter. In Simbabwe seien aktuell etwa 2,7 Millionen Menschen betroffen.

Durch den Klimawandel hat sich die Zahl von Dürren und Überflutungen drastisch erhöht, sagte Alice Kachere vom Rural Women‘s Assembly. Das hat dramatische Konsequenzen: „Die meisten am Land wohnenden Frauen haben durch die Katastrophe ihren Lebensunterhalt verloren. Sie können ihre Häuser nicht wiederaufbauen, ihre Kinder nicht zur Schule schicken und in vielen Fällen keine Nahrung für ihre Familien zur Verfügung stellen“. Kachere forderte eine Erhöhung der finanziellen Mittel, um mit den Folgen des Klimawandels umzugehen - dabei nahm sie jene Staaten, die für besonders viele Schadstoffemissionen verantwortlich sind, in die Pflicht.

„Es geht hier nicht nur um eine Hungerkrise - alle Bereiche des ländlichen Lebens sind betroffen“, sagte auch Matthew Pickard, CARE-Regionaldirektor im südlichen Afrika. „Wir brauchen sofortiges Handeln, gerade auch in Form von finanzieller Unterstützung von Spendern, um kurzzeitige Interventionen vor Ort zu ermöglichen und langfristig resiliente Strukturen zu schaffen.“ (APA)

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