"Don Giovanni" unter Rani Calderon an der Wiener Volksoper. Passabel geleitet, schwach besetzt.
Bassist Sorin Coliban hätte am Sonntag als Komtur sein Debüt an der Wiener Volksoper begehen sollen. Doch er erkrankte - Ersatz war nicht leicht, aber dann doch zu finden: Ain Anger erklärte sich bereit, die Rolle zu übernehmen, beherrscht sie jedoch nur in italienischer Sprache. Glücklicherweise hatte auch "Giovanni" Morten Frank Larsen die italienische Variante im Repertoire - und so wurden am Sonntag alle Szenen, in denen der Komtur auftritt, italienisch, der Rest deutsch gesungen.
Wobei die so improvisierten Szenen stimmlich zu den besten des Abends gehörten. Ain Anger verfügt über einen vollen, wohltönenden Bass, Morten Frank Larsen beeindruckt mit seinem stimmgewaltigen Bariton - allerdings wirkten manche Passagen etwas "gehudelt", worunter die Artikulation deutlich litt. Souverän präsentierte sich Heidi Brunner: Sie spielte die zwischen Rachsucht und Verzweiflung schwankende Donna Elvira mit viel Verve, ihr Sopran ertönte mit spielerischer Leichtigkeit. Eher angestrengt wirkte dagegen Kristiane Kaiser als Donna Anna: Sehr zurückhaltend ging sie an ihre Rolle heran, machte Donna Anna zu einer unscheinbaren Nebenfigur, für die großen Arien fehlte es ihr an Volumen, und vor manchen Koloraturen hatte sie, so schien es, allzu große Ehrfurcht - die klangen dann etwas forciert.
Mit ihrer Zurückhaltung war Kristiane Kaiser allerdings eine passende Verlobte für Johannes Chum: Dieser präsentierte einen stocksteifen Don Ottavio, sein Tenor klang hölzern. Erfreulicher: Michail Schelomianski als Leporello, Birgid Steinberger als Zerlina und Josef Wagner als Masetto.
Der israelische Dirigent Rani Calderon - er stand zum ersten Mal am Pult der Wiener Volksoper - sicherte einen flotten musikalischen Fortgang. Manchmal zu flott für die Sänger, die dann mit ihrer Artikulation nicht mithalten konnten. Zu Koordinationsschwierigkeiten führten auch unvorhergesehene Temposchwankungen. Abgesehen davon ein passables Debüt.
Angenehm unaufdringlich, ohne historisierend-kitschig zu sein ist und bleibt die Inszenierung von Marco Arturo Morelli.
Weitere Termine: 19., 22., 26. September, 3., 10., 15., 26. Oktober