DJ Spooky: "Rebirth of a Nation"

DJ Spooky eröffnete mit "Rebirth of a Nation" im Wiener Ronacher die "zeitzone" der Festwochen.

Wenn man sie stößt, dann fallen sie. Wenn man auf sie schießt, dann bluten sie, die Soldaten. Und wenn man solche Szenen rhythmisch wiederholt, ein wenig beschleunigt, dazu Beats füttert, dann wird ein skurriles Ballett draus, das trotz seiner grausamen Ingredienzien komisch, ja: lächerlich wirkt.

Das ist Handwerk, das jeder Videobastler beherrscht. Es kann die grauenhafte Mechanik des Krieges deutlich machen und entlarven oder verharmlosen, das kommt auf den Zusammenhang an.

In "The Birth of a Nation" von Paul D. Miller alias DJ Spooky verharmlost es sie eher. Nicht weil Miller das bewusst wollte, sondern weil es ihm ganz offensichtlich egal ist. Er behandelt "The Birth of a Nation", den Schwarzweißfilm von David W. Griffith (1915) wie "found footage", wie Rohmaterial für seine ästhetischen Spielereien. Die meist läppisch sind: Neben den meist schnurgeraden Rhythmisierungen dominiert die Spiegelung an einer senkrechten Achse durch die Bildhälfte. Diese simpelste Ausformung eines Kaleidoskops sorgt stets für reflexartiges Schmunzeln, weil die Figuren aus einer Linie zu quellen scheinen.

Die Geschichte des Films, der - aus der Sicht des "weißen Süden" - das Schicksal einer Nord- und einer Südstaatenfamilie im amerikanischen Bürgerkrieg zeigt, selbst wird im Wesentlichen durch Wiederholungen verschleppt, wie in einem Dub-Rhythmus durch Nachhall gebremst. Das hat schon einen eigenen Reiz. Wenn Abraham Lincoln immer wieder unterschreibt, immer wieder der Ku-Klux-Klan aufmarschiert, wird Geschichte zur szenischen D©j -vu-Parade.

Millers Musik fügt dem sehr wenig hinzu: unaufdringliche bis sanft drängende, nie durch allzu krumme Breakbeats beschwerte Rhythmen, darüber Freundliches, Kulinarisches und Atmosphärisches bis hin zum schicksalsträchtigen Cello. Stimmungsmusik. Beliebig wie die im Prolog übers Bild gescratchten und mit Schachfiguren beladenen Flaggen. So wenig originell wie Millers einleitende Bemerkung, der erste Irak-Krieg sei ein "Fernseh-Krieg" gewesen. Auch afroamerikanische Junghegelianer können eben ziemlich alt im Kopf sein.

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