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Lokalkritik im Comal Mexicano: Diese Tacos sind wirklich spitze

Katharina F.-Roßboth
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Das Comal Mexicano hat sich vergrößert. Das neue Lokal im vierten Bezirk brummt, völlig zu Recht: Die Tacos sind nämlich absolute Spitze – vor allem zwei Varianten.

Ich muss mich entschuldigen: Vor einiger Zeit zitierte ich an dieser Stelle einen mexikanischen Freund, der vor Längerem nur halb im Scherz meinte, das beste mexikanische Essen Wiens gebe es in Bratislava. Ganz so schlecht steht man in Wien aber eh auch nicht da, und ein Lichtblick ist definitiv das Comal Mexicano. Wer jetzt einwendet, dass das ja nichts Neues sei: Stimmt – allerdings ist María Báez die Location in der Florianigasse, die sie seit 2020 bespielte, doch zu klein geworden. Sie hat daher vor einiger Zeit im ehemaligen Grace auf der Wieden neu aufgesperrt und ihre Fangemeinde offenbar nicht nur mitgenommen, sondern ausgebaut. Das versteckte Lokal ist auch an einem Dienstagabend knallvoll. Und das ist gut so, denn leer fehlt es vor allem im zweiten Gastraum doch ein bisschen an Charme. Interessant: Klassische Mexikodevotionalien findet man hier nicht, keinen Totenkopf, keine Flagge, keine bunten Wimpel und glücklicherweise auch keinen Tequila mit Hut, dafür Überreste der Wirtshausdeko aus lang vergangenen Vorzeiten.

Kaum sind die Tische besetzt und die Körbe mit den Taco-Dreierkombinationen fliegen aus der Küche, fühlt es sich hier jedenfalls gut an. Wobei die allerbesten Tacos nicht unter dem Stichwort Tacos zu finden sind, sondern bei den „platos fuertes“ (also quasi den Hauptspeisen): die mit Cochinita pibil, einer ultrasaftigen, aromatisch komplexen mexikanischen Pulled-Pork-Variante. Eine herrliche Sauerei oder – wie es die Begleitung ausdrückt –: kein Essen für ein erstes Date (vier Stück 21 Euro). Vollkommen überraschend die veganen Tacos mit Hibiskusblüten: fruchtig-säuerlich und in Kombination mit der Chili-Erdnuss-Sauce definitiv Star Nummer zwei (Stück 3,90). Wer sich für eine Dreierkombination entscheidet, könnte noch Huhn und eine Quesadilla dazunehmen, den Reis, der mit im Körbchen ist, bräuchte man angesichts der eher großzügig gefüllten Tacos gar nicht unbedingt (16,50 Euro). Das Dessert wurde nach vier Tacos pro Person nur noch aus Pflichtbewusstsein getestet, den Tres Leches Cake (8,50 Euro) kann man aber durchaus noch mitnehmen. Gibt es in Wien nur selten.

Tipp

Comal Mexicano, Danhausergasse 3, 1040 Wien, Dienstag bis Samstag 18–23 Uhr. www.comal.at

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