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Schoigu muss gehen: Putin wechselt den Verteidigungsminister aus

Schoigu verliert seinen Posten als Verteidigungsminister - und wird Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates.
Schoigu verliert seinen Posten als Verteidigungsminister - und wird Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates.Reuters / Maxim Shemetov
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Kremlchef Wladimir Putin entlässt seinen Verteidigungsminister und engen Vertrauten Sergej Schoigu. Ein offizieller Grund wird nicht genannt, allerdings gab es zuletzt Anzeichen von Machtkämpfen innerhalb des russischen Militär- und Sicherheitsapparats.

Mitten im Krieg gegen die Ukraine wechselt der wiedergewählte russische Präsident Wladimir Putin seinen Verteidigungsminister aus. Amtsinhaber Sergej Schoigu werde Sekretär des nationalen Sicherheitsrats und an der Ministeriumsspitze durch den Zivilisten Andrej Beloussow ersetzt, teilte die Präsidialverwaltung am Sonntag mit. Der Wirtschaftsexperte Beloussow war bisher Erster Stellvertretender Ministerpräsident. An Außenminister Sergej Lawrow will Putin festhalten.

Archivbild vom 9. Mai, als Russland traditionell den Tag des Sieges über Nazi-Deutschland mit einer Militärparade beging. Der damals noch als Verteidigungsminister amtierende Sergej Schoigu mit Präsident Wladimir Putin.
Archivbild vom 9. Mai, als Russland traditionell den Tag des Sieges über Nazi-Deutschland mit einer Militärparade beging. Der damals noch als Verteidigungsminister amtierende Sergej Schoigu mit Präsident Wladimir Putin.Reuters / Mikhail Klimentyev

Auch Generalstabschef Waleri Gerassimow solle im Amt bleiben. Schoigu gilt als einer der engsten Vertrauten Putins und war einer der dienstältesten Minister. Die Zukunft des einflussreichen bisherigen Sicherheitsratssekretärs Nikolai Patruschew blieb zunächst offen. Die künftigen Aufgaben des 72-Jährigen würden in den kommenden Tagen bekannt gegeben, erklärte Putins Sprecher Dmitri Peskow. Vorsitzender des Sicherheitsrats ist Putin.

Auf Schoigu folgt ein Zivilist 

„Heute gewinnt auf dem Schlachtfeld derjenige, der offener für Innovationen und deren Umsetzung ist“, erklärte Kremlsprecher Peskow Putins Entscheidung für einen Zivilisten an der Spitze des Verteidigungsministeriums. Beloussow sei nicht nur Zivilbeamter, sondern habe auch viele Jahre erfolgreich in der Politik gearbeitet und Putin in Wirtschaftsfragen beraten. Er sei „zweifellos der beste Kandidat“, den Komplex der russischen Rüstungsindustrie auszubauen und neue Technologien einzuführen, wurde der Duma-Abgeordnete Sergej Gawrilow von Tass zitiert.

Archivbild vom Novemer 2023: Putin (re.) mit dem künftigen russischen Verteidigungsminister Andrej Beloussow
Archivbild vom Novemer 2023: Putin (re.) mit dem künftigen russischen Verteidigungsminister Andrej BeloussowImago / Gavriil Grigorov

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Machtkämpfe innerhalb des Militärapparats

Schoigu und Gerassimow waren in Russland wiederholt wegen militärischer Fehlschläge in der Ukraine kritisiert worden. Russland hatte 2014 die ukrainische Halbinsel Krim in einem international nicht anerkannten Schritt annektiert und zudem Separatisten in der Ostukraine unterstützt. Im Februar 2022 begann die russische Armee einen Großangriff auf das Nachbarland, der von der russischen Regierung als „militärische Spezialoperation“ bezeichnet wird. Der Ukraine gelang es, große Teile der zunächst besetzten Gebiete zurückzuerobern. Seit einiger Zeit ist die Ukraine jedoch in der Defensive.

Die bisherige Regierung war verfassungsgemäß zurückgetreten, als Putin am Dienstag seine fünfte Amtszeit als Präsident angetreten hatte. Der 71-Jährige war im März bei einer international als weder frei noch fair kritisierten Wahl bestätigt worden. Nach der Wiederernennung des von Ministerpräsident Michail Mischustin, der als effizienter Technokrat gilt, waren am Samstag bereits weitere Personalpläne Putins für die neue Regierung bekannt gegeben worden.

Zum ersten Stellvertreter Mischustins wurde der bisher für die russische Kriegswirtschaft verantwortliche Minister Denis Manturow befördert. Manturow, der das Ressort Industrie und Handel leitete, gibt seinen Ministerposten an den bisherigen Gouverneur von Kaliningrad, Anton Alichanow, ab. Manturow soll aber auch in seiner neuen Funktion erneut für die Industrie verantwortlich sein, hatte die Regierung mitgeteilt. (APA/dpa/Reuters)

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