Ukraine-Krieg

„Bis zu fünf Bataillone verlegt“: Russland erzielt „taktische Erfolge“ in Charkiw

Eine ältere Frau wird in Sicherheit gebracht. Die russischen Streitkräfte hätten „beträchtliche Kräfte für ihren Angriff auf die Stadt eingesetzt“ und nähmen „keine Rücksicht auf eigene Verluste“, heißt es vom ukrainischen Generalstab.
Eine ältere Frau wird in Sicherheit gebracht. Die russischen Streitkräfte hätten „beträchtliche Kräfte für ihren Angriff auf die Stadt eingesetzt“ und nähmen „keine Rücksicht auf eigene Verluste“, heißt es vom ukrainischen Generalstab.APA / AFP / Roman Pilipey
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Vor wenigen Tagen startete Russland eine neue Offensive auf die Region Charkiw im Osten der Ukraine. Auch die ukrainische Seite räumt dem Feind Erfolge an der Grenze ein: Die Lage dort verschärfe sich „deutlich“, sie stehe „fast rund um die Uhr“ unter Beschuss.

Beim Vorstoß in der Region Charkiw hat Russland Fortschritte erzielt. „Derzeit verzeichnet der Feind taktische Erfolge“, erklärte der ukrainische Generalstab in der Nacht auf Montag im Onlinedienst Facebook. Insbesondere in der an der russischen Grenze gelegenen Stadt Wowtschansk gingen die Kämpfe demnach weiter. Die russische Armee hat dem Generalstab zufolge in die Region „bis zu fünf Bataillone“ verlegt. Russland meldete außerdem einen größeren ukrainischen Luftangriff.

Am Sonntag hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskij von „erbitterten Kämpfen“ in der Region Charkiw gesprochen. Das Ziel hinter den russischen Angriffen dort sei es, „unsere Kräfte auseinander zu ziehen und die Moral zu untergraben“.

Bodenoffensive mit gepanzerten Fahrzeugen

Zuvor hatte bereits der ukrainische Gouverneur der Region mitgeteilt, dass die Grenzgebiete „fast rund um die Uhr“ unter russischem Beschuss stünden. Dies gelte für das gesamte Grenzgebiet der Region Charkiw, erklärte Oleh Synehubow in Online-Medien. Synegubow zufolge wurden bisher über 4.000 Menschen aus grenznahen Gebieten evakuiert. Am Freitag hatte die russische Armee ukrainischen Angaben zufolge eine Bodenoffensive in der Region Charkiw mithilfe von gepanzerten Fahrzeugen gestartet.

Die russische Luftabwehr habe indes 16 Raketen und 31 Drohnen zerstört, die in der Nacht auf Montag von der Ukraine auf russisches Territorium abgefeuert worden seien, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Zwölf Lenkraketen seien über der an die Ukraine grenzenden Region Belgorod zerstört worden. Über der annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim seien vier Marschflugkörper vom britischen Typ Storm Shadow sowie sieben Drohnen abgeschossen worden. In der russischen Grenzregion Kursk seien acht Drohnen und vier weitere in der Region Lipezk abgefangen worden.

Der neue Angriff habe das Öldepot „Oskolneftesnab“ in der Nähe der Stadt Starji Oskol in der russischen Region Belgorod sowie das Stromumspannwerk „Jelezkaja“ in der Region Lipezk getroffen, hieß es in ukrainischen Geheimdienstkreisen. Die russische Industrie, die an der Kriegsführung gegen die Ukraine beteiligt sei, bleibe ein legitimes Ziel.

Wohnhaus in russischer Grenzstadt getroffen

Nach der laut russischen Angaben ukrainischen Attacke mit Raketen aus Sowjetzeiten auf die Region Belgorod von Sonntag starben mittlerweile mindestens 15 Menschen. Das russische Zivilschutzministerium spricht von 15 Toten, russische Nachrichtenagenturen von 20 Verletzten, darunter ein vermisstes Kind. Trümmer einer der abgefangenen Tochka-U-Raketen hatten nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums ein Wohnhaus in der Stadt Belgorod beschädigt.

In der russischen Grenzregion Belgorod ist ein mehrstöckiges Wohnhaus bei einem Angriff schwer beschädigt worden. 
In der russischen Grenzregion Belgorod ist ein mehrstöckiges Wohnhaus bei einem Angriff schwer beschädigt worden. APA / AFP / Stringer

Bilder zeigen, dass mindestens zehn Stockwerke des Gebäudes eingestürzt sind. Während Rettungskräfte in den Trümmern nach Überlebenden suchten, stürzte das Dach ein. Sowohl die Ukraine als auch Russland beteuern, nicht auf Zivilisten zu zielen. Der Kreml erklärte, Präsident Wladimir Putin sei über den Angriff informiert. Von ukrainischer Seite lag zunächst keine Stellungnahme vor. (APA/AFP/Reuters)

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