Randerscheinung

Monate mit W

Florian Asamer
Florian Asamer Carolina Frank
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Solang es Wassermelonen gibt, ist alles gut.

Ich habe ja schon ziemlich lang nichts mehr über Saisongemüse geschrieben, glaube ich. Was gar nicht einfach ist, weil so eine Kolumne ja sehr im Jetzt ankert, und da macht es schon einen Riesenunterschied, ob in diesem Moment da gerade Spargel- oder Kürbissuppe auf dem Herd steht bzw. Erdbeeren oder die unvermeidlichen Bananen das dominierende Obst sind. Es gibt ja diese hoffentlich in ­Vergessenheit geratenen „Monate mit R-Regel“ aus meiner Kindheit, in denen man angeblich nicht barfuß gehen darf (also vom September bis April, verrückte acht Monate lang). Analog dazu könnte man allerdings endlich eine W-Regel aufstellen. Die da lautet: Solang es Wassermelonen gibt, ist alles gut. Und zwar die richtigen. Also keine kernlosen tennisballgroßen, die wie blassrosa Gurke schmecken.

Sondern die medizinballgroßen (gibt es das eigentlich noch, Medizinbälle?) tiefroten aus Griechenland oder Italien, die man kaum schleppen kann und von denen schon ein Viertel nicht mehr wirklich in den Kühlschrank passt. Draußen lassen geht aber auch nicht. Weniger wegen H wie Hitze, sondern wegen H wie Hund. Der liebt Wassermelone über alles. Wobei man natürlich bedenken muss, dass es bei uns weder Fleisch noch Wurst gibt. Die Himbeeren im Garten frisst er übrigens auch fast alle weg. Insofern funktioniert die Selbstversorgung in diesem Bereich nicht so gut. Andere kämpfen da eher mit Schnecken und Blattläusen, wie ich höre. Ob es auch Menschen gibt, bei denen selbst gezogene Himbeeren landen, weiß ich nicht. Der kleine Apfelbaum wird jedenfalls erst in zwei Jahren Früchte tragen. Bis dahin versuche ich hier nicht mehr über Saisongemüse zu schreiben. Versprochen. Obst lasse ich mir als Rückfallvariante allerdings noch offen.

(Die Presse Schaufenster, 10.5.2024)

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