Literatur

IS-Genozid an den Jesiden: „Jetzt, wo du gesehen hast, was wir mit deinem Vater gemacht haben, willst du sicher zum Islam übertreten“

Nur die Vergewaltigungen habe sie bei ihren Gesprächen mit weiblichen Überlebenden ausgespart, sagt Ronya Othmann. Ihr Vater ist Jeside. 
Nur die Vergewaltigungen habe sie bei ihren Gesprächen mit weiblichen Überlebenden ausgespart, sagt Ronya Othmann. Ihr Vater ist Jeside. APA
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Zu den schlimmsten Gräueltaten des IS gehören die Massaker an den Jesiden. Die deutsche Autorin Ronya Othmann hat im Irak mit Überlebenden gesprochen und mit „Vierundsiebzig“ ein unvergessliches Buch darüber geschrieben.

„Dass auf einer Demo in Deutschland für ein Kalifat geworben wird, finde ich grauenerregend, es hat ja erst vor Kurzem eines gegeben“, sagt Ronya Othmann der „Presse“. Mit dem 3. August 2014 sei etwas in ihr „zerbrochen“. Seit damals hat sich die heute 31-jährige Autorin, Tochter eines jesidischen Kurden und einer Deutschen, mit den Massakern des IS an der Minderheit der Jesiden beschäftigt.

Was die islamistische Terrororganisation „Islamischer Staat“ Menschen angetan hat, Schiiten, Jesiden, Christen, das übersteigt für nicht völlig entmenschlichte Menschen das Maß des Vorstellbaren. Köpfungen von Eltern vor den Augen der Kinder zählen dazu, Verbrennungen in Käfigen bei lebendigem Leib, Ausstechen der Augen, Kreuzigungen … Davon zu lesen, kann als gewaltige Überforderung empfunden werden in einer Zeit, in der die deutschsprachige Öffentlichkeit unter dem Eindruck der Massaker der islamistischen Terrororganisation Hamas an israelischen Zivilisten steht, unter dem Eindruck des Leidens der Zivilisten in Gaza, des fortgesetzten Tötens im Ukraine-Krieg und der drohenden Hungerkatastrophe durch den Bürgerkrieg im Sudan.

Doch es gibt wohl ohnehin keinen „richtigen“ Zeitpunkt für ein Buch wie „Vierundsiebzig“. Gleichzeitig ist jeder Zeitpunkt der richtige für ein außergewöhnliches Buch wie dieses.

Die Frau mit dem winzigen Kieselstein

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