Linz

Wer jetzt im Brucknerhaus das Sagen hat

Ein neues Team um René Esterbauer verbreitet „Auftaktstimmung“ und lässt La Fura dels Baus zur Klangwolke im Donaupark Pioniere der Forschung zelebrieren.

Frischer Wind weht im Brucknerhaus, sowohl wegen personeller Veränderungen als auch, was die nächste Saison betrifft. Seit der künstlerische Leiter Dietmar Kerschbaum im März dienstfrei gestellt wurde, ist dem neuen kaufmännischen Geschäftsführer René Esterbauer daran gelegen, mit seinem Team „Auftaktstimmung“ zu verbreiten. Unter dieses Motto in Kombination mit dem Wort „Stufen“ stellt man die Saison 24/25. Dass man mit Elan in die nächsten Herausforderungen geht – „trotz der Schatten“ (Esterbauer) – ließ man auch am Dienstag bei der Präsentation der Linzer Klangwolke 2024 spüren.

Bei der 45. Ausgabe des Freiluftspektakels wird La Fura dels Baus rund um Carlus Padrissa am 7. September wieder einmal eine audiovisuelle Show mit den für das Künstlerkollektiv typischen Monumentalfiguren auf die Donaulände bringen. Bei freiem Eintritt wird man Pionierinnen und Pioniere der Forschungsgeschichte in den Fokus nehmen. „Hier und generell im Brucknerhaus geht es uns um neue Wege und frische Ideen“, sagt Esterbauer.

Wie aber wird das Haus generell ohne künstlerischen Direktor geführt? „Die Endverantwortung liegt zwar bei mir, aber ich treffe keine Entscheidungen alleine, sondern immer mit meinem Team“, sagt Esterbauer – und verweist vor allem auf Andreas Meier, Dramaturg und seit Mai Leiter der Programplanung. Selbst wenn Musik Esterbauer seit seiner Kindheit begleitet und er auch vorher Events organisiert hat, lag der Schwerpunkt des neuen Geschäftsführers bisher im Sport.

Linz ist nicht „Wien light“

„Wenn es darum geht, welches Orchester in welches Abo aufgenommen wird, kann ich auf die Erfahrung meines Teams zurückgreifen“, sagt Esterbauer. „Mir geht es darum, mit dem Publikum in Dialog zu treten und das Haus weiterzuentwickeln.“ „Die flacheren Hierarchien, die wir nun in der Organisation haben, lassen sich auch auf die Konzerte umlegen“, unterstreicht Meier. „Wir wollen nicht so sehr eine Richtung vorgeben, vielmehr neugierig machen, manches absichtlich offen lassen.“

Weiterhin wolle man das Haus breit aufstellen, so Esterbauer, und 24/25 die großen klassischen Konzerte mit Gästen wie Mischa Maisky, Khatia Buniatishvili, Daniil Trifonov, Diana Damrau und Jonas Kaufmann sowie dem Bruckner-Originalklangzyklus während des Brucknerfests ebenso präsentieren wie Jazz, Soul, R´n´B und volkstümliche Musik. „Gleichzeitig geht es uns darum, unsere Alleinstellungsmerkmale auszubauen.“ Dazu Meier: „Wir wollen kein ,Wien light’ sein und auch nicht ident mit dem, was andere Häuser mit ähnlicher Größe machen. Es geht uns auch um Programme abseits des 08/15-Tourneeprogramms, darunter solche, die Stadt und Land mit einbeziehen. Uns ist wichtig, den Vergleich mit großen Häusern nicht scheuen zu müssen und gleichzeitig eine eigene Handschrift im Programm erkennbar zu machen.“ Dass dabei bald wieder ein künstlerischer Direktor eine Rolle spielen wird, ist nicht absehbar.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.