1931–2024

Auf wenigen Seiten brachte sie eine Welt unter: Alice Munro ist tot

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Für ihre Short Stories erhielt Alice Munro den Nobelpreis: Nun starb sie mit 92 Jahren.

Jonathan Franzen rühmte sie gern als „die Beste von allen“, jahrelang wurde der Name Alice Munro immer wieder für den Literaturnobelpreis gehandelt, bis sie ihn 2013 dann tatsächlich bekam.

Es waren Short Stories, veröffentlicht in vielen Erzählbänden, die die nun mit 92 Jahren verstorbene Kanadierin berühmt machten. Geschichten, in denen sie, wie das Nobelpreiskomitee es formulierte, „die gesamte epische Komplexität des Romans in nur wenigen Seiten unterbringen“ konnte. Ihre letzte Kurzgeschichtensammlung, „Dear Life“, erschien ein Jahr vor dem Nobelpreis. Seitdem hatte Munro, die zuletzt auch an Demenz litt, nichts mehr veröffentlicht. Dafür davor umso mehr.

Geboren wurde Alice Munro 1931 in einer Kleinstadt in Ontario als Tochter einer Lehrerin und eines Silberfuchszüchters. Als Journalismusstudentin veröffentlichte sie 1950 ihre erste Erzählung, 1952 heiratete sie und eröffnete mit ihrem Mann eine Buchhandlung in Victoria auf Vancouver Island. „Ich habe immer das getan, was ich wollte“, sagte sie einmal in einem Interview: „einen Mann heiraten, den ich liebe, und Schriftstellerin sein. Und dann habe ich mich nicht aufhalten lassen durch den Umstand, dass diese beiden Ziele nicht miteinander vereinbar waren.“

Nicht nur ihre sprachliche Subtilität und emotionale Intensität, auch die raffinierte Struktur machten Munros Short Stories seit den 1960er-Jahren berühmt und in ihrer Heimat auch äußerst populär. Immer wieder wurde sie mit Anton Tschechow verglichen. Oft verschränkte sie zwei oder mehr Geschichten miteinander. Eigentlich „habe ich nichts Großes geschafft“, sagte sie einmal. Unzählige Leser und Kritiker sahen und sehen das anders. (sim)

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