Staatsholding

Öbag-Chefin will Dividende für Infrastruktur zweckwidmen

Öbag-Chefin Edith Hlawati.
Öbag-Chefin Edith Hlawati.Clemens Fabry
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In den bisher zwei Jahren als Öbag-Chefin hat Edith Hlawati drei Milliarden Euro an den Finanzminister ausgeschüttet.

Wien. Seit gut zwei Jahren ist Edith Hlawati Chefin der Staatsholding Öbag. Das ist durchaus eine Erwähnung wert, denn so still wie sie hat keiner ihrer Vorgänger den Job angelegt. Das sei aber durchaus Absicht, sagt die frühere Rechtsanwältin. „Mit der Gerüchteküche von früher“ sei es vorbei, die Öbag soll unter ihrer Ägide kein Politikum mehr sein. Das jedenfalls scheint gelungen zu sein – und so bestätigte Hlawati am Dienstagabend erst auf Nachfrage: Ja, ihr Vertrag ist verlängert worden, und zwar bis Februar 2027.

Ruhig seien die vergangenen zwei Jahre jedenfalls nicht gewesen, betont die Öbag-Chefin: Das erste Jahr, 2022, sei von der Gas- und Strompreiskrise geprägt gewesen. Und von der hohen Inflation natürlich auch. Das hat die Konzerne, die im Öbag-Portfolio sind, ziemlich gefordert: die OMV, den Stromkonzern Verbund, die Telekom Austria, die Post, die Casinos Austria.

25 Vorstandsbesetzungen in den diversen Öbag-Beteiligungen wurden in den vergangenen beiden Jahren vorgenommen, 57 Aufsichtsratsmandate wurden neu vergeben. Recht still und leise – ebenso die doch ansehnliche Dividende, die von der Öbag ausgeschüttet wurde: In den vergangenen beiden Jahren hat die Staatsholding rund drei Mrd. Euro an den Finanzminister überwiesen. Er kann das Geld natürlich gut gebrauchen, doch Hlawati gibt sich da ausnahmsweise weniger zurückhaltend. Sie fordert eine Zweckwidmung der Öbag-Dividenden, etwa für kritische Infrastruktur. Wünschen wird man sich noch etwas dürfen, realistisch ist das nicht.

Aus AT&S wurde nichts

Was bringt die Zukunft für die Öbag selbst? Neue Beteiligungen einzugehen wäre gesetzlich durchaus möglich – sofern es sich um Investitionen von maximal 49% in Unternehmen mit Zukunftstechnologien handelt. Start-ups sind dabei ausgeschlossen.

Aber so einfach ist das nicht, wie das Beispiel AT&S zeigt: 2023 ist der Vorstand des Leiterplattenkonzerns an die Öbag herangetreten, „wir hätten uns das gut vorstellen können“, erklärt Hlawati, „es ist ein österreichischer Leitbetrieb mit Weltgeltung“. In der vergangenen Woche allerdings ist die geplante Kapitalerhöhung abgesagt worden, die AT&S-Altaktionäre hatten die Bedingungen der Öbag nicht akzeptiert: eine Sperrminorität von 25 Prozent plus eine Aktie, zwei Sitze im Aufsichtsrat und einen Preis zum Kurswert. „Der Kursrückgang der AT&S-Aktie hat da sicher nicht geholfen“, sagt Hlawati.

Und die Ankündigung der B&C-Gruppe, die Mehrheit an ihren Beteiligungen an Semperit, Lenzing und Amag abgeben zu wollen? „Mit uns hat darüber niemand gesprochen“, betont die Öbag-Chefin. Sie sieht da aber auch keinen Sinn an einer Beteiligung: B&C suche strategische Partner und keine zweite Holding.

Öbag-Chefin Edith Hlawati will mit Banken in Fonds investieren.
Öbag-Chefin Edith Hlawati will mit Banken in Fonds investieren.Clemens Fabry

In Fonds investieren?

Viel lieber hätte Hlawati die Möglichkeit, gemeinsam mit Banken in Fonds zu investieren. Was man auch als (abschlägige) Antwort auf die Idee von SPÖ-Chef Andreas Babler verstehen kann, der einen „Transformationsfonds“ bei der Öbag angesiedelt sehen will – um auch in Start-ups investieren zu können.

Bleibt noch ein Thema, das in Österreich sehr wohl ein Politikum ist: die geplante Fusion der OMV-Kunststofftochter Borealis mit Borouge aus Abu Dhabi. Fast ein Jahr schon verhandelt die OMV mit Großaktionärin Adnoc darüber; es zieht sich. Was die einstige Anwältin Hlawati für nicht ungewöhnlich hält. Österreich halte jedenfalls an seinen Bedingungen fest: Headquarter sowie Forschung und Entwicklung in Österreich, gewünscht wird auch ein Börselisting in Wien. Ob der Deal tatsächlich zustandekommt oder noch platzen könnte – auf solche Spekulationen will sich Hlawati nicht einlassen. Ganz im Sinne ihrer gelebten Diskretion.

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