Faktencheck

Video zeigt angeblich Protest beim ESC – ist aber 15 Jahre alt

Dieses Foto stammt tatsächlich von den Protesten von vergangener Woche. Aufgenommen wurde es am Samstag, dem 11. Mai in Malmö.
Dieses Foto stammt tatsächlich von den Protesten von vergangener Woche. Aufgenommen wurde es am Samstag, dem 11. Mai in Malmö. APA / AFP / Andreas Hillergren
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Rund um den Song Contest kursiert ein Video von angeblichen gewalttätigen Protesten in Malmö. Doch es wurde nicht vergangene Woche aufgenommen, sondern bei einer Demonstration vor einem Tennismatch.

Das Video stammt auch aus Malmö und zeigt tatsächlich Proteste – aber es ist 15 Jahre alt und entstand in anderem Kontext: Das ergibt ein APA-Faktencheck zu einem knapp zweiminütigen Clip, der derzeit auf Social Media kursiert. Etwa auf X, wo ihn der aus Pakistan stammende australische Schauspieler und Autor Harris Sultan („Why I Left Islam“) postete. Er kommentierte das Video mit den Worten: „Muslimische Migranten, denen in Schweden Zuflucht gewährt wurde, zerstören das Eigentum der schwedischen Steuerzahler, weil eine israelische Sängerin am Eurovision Song Contest teilgenommen hat.“ Die Demonstranten nennt er „dumm und unvernünftig“. Im Video zu sehen sind schwarz gekleidete und teils vermummte Menschen, die Polizisten und Polizeifahrzeuge attackieren.

Der Zusammenhang mit den Protesten gegen die Teilnahme Israels beim Eurovision Song Contest (ESC) vergangene Woche, die tatsächlich stattfanden und bei denen etwa Klimaaktivistin Greta Thunberg teilnahm, ist aber falsch. Die Aufnahmen sind bereits 15 Jahre alt und wurden im Zuge eines Demonstrationsmarsches am Rande einer Sportveranstaltung im März 2009 gefilmt.

Protest gegen israelische Operation „Gegossenes Blei“

Tatsächlich beherbergt Malmö einen Großteil der palästinensischen Gemeinschaft Schwedens. Teile davon nahmen nicht nur an den ESC-Protesten teil, sondern auch an früheren Kundgebungen. Eine davon zog am 7. März 2009 durch die Stadt – als Reaktion auf die israelische sogenannte Operation „Gegossenes Blei“, die zu Jahresbeginn fast 1500 Todesopfer forderte. Damals protestierten rund 7000 Menschen am Rande des Davis-Cup-Duells zwischen Schweden und Israel gegen dieses. Der sportliche Wettkampf wurde damals aus Sicherheitsgründen kurzfristig ohne Publikum ausgetragen.

Ein Teil der Protestierenden spaltete sich auf dem Weg zur Tennishalle vom Rest des Protestzuges ab und griff die Polizei an. Es gab mehrere Festnahmen, später wurden drei Teenager verurteilt. Die Attacken wurden von mehreren Kamerateams auf Video festgehalten.

Video wurde 2009 auf Youtube hochgeladen

Eines davon wurde nun fälschlicherweise mit den Protesten rund um den ESC in Verbindung gebracht. Gleich zu Beginn des Videos, das bereits 2009 bei Youtube hochgeladen wurde, erwähnt der schwedische Sprecher den Davis Cup und spricht von „Samstag“. Das Posting auf Twitter wurde am 9. Mai hochgeladen, einem Donnerstag.

Ort des Geschehens 2009 war der Vorplatz zum Malmö Stadion, einem Fußballstadion mit Leichtathletikanlage. Das lässt sich durch das kurze Video eindeutig belegen. Bei 0:53 im Video ist etwa die Beschriftung der Südtribüne erkennbar, auch die Lage der umliegenden Hochhäuser stimmt überein.

Dass die Aufnahme nicht aktuell sein kann, ist auch an den Straßenlaternen vor dem Stadion erkennbar. Diese enden (beispielsweise bei 1:13) in Kugeln, wie sie laut Bildern bei Google Street View zumindest bis 2011 verwendet wurden. In den Aufnahmen ab 2014 wurden diese durch kegelförmige Lampeneinfassungen ersetzt (17). Bei 1:22 filmen mehrere Menschen das Geschehen mit Telefonen, die eher vor 15 Jahren verwendet wurden als 2024.

Auch auf X ist inzwischen ersichtlich, dass das Video nicht vom Song Contest 2024 stammt. Der Post von Harris Sultan ist inzwischen mit einem Hinweis versehen, wonach es eben in einem anderen Kontext entstand.

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